— ich schiene über Ritschl's wissenschaftliche Persönlich-keit überhaupt nicht nachgedacht zu haben. Ich gebe,zur Entschädigung des Publicums, seine Ansicht über R.
S. 1478 und 1479 heisst es wörtlich:
»Ritschi hatte im Lauf der Zeit eine grosse und aus-gebreitete Gelehrsamkeit erworben, aber er war keinGelehrter; ein umfassendes Bild des ganzen Alterthums,freilich mit Ausschluss der politischen Seite, lebte in seinemGeiste, aber ein systematisches Werk hat er nie geschrieben,selbst zu der so lange angekündigten Metrik ist er nie ge-kommen. Er war ein Philolog, der alles konnte, was er an-griff.« — Dafür folgen dann Beispiele; und ferner heisst es:
»L. M. hat kein Urtheil darüber, was Ritschi bei derBesonderheit seiner Begabung konnte und was er nichtkonnte, und hat daher auch kein Auge für die bewusste,weise Beschränkung, die sich Ritschi in dem auferlegte,was er unternahm.»
Herr College, ich möchte Ihnen nicht gern Unange-nehmes sagen: aber doch kann ich nicht verhehlen, dassRitschi, Ihr langjähriger College, der einen so grossen An-theil an der Frequenz und dem Ruhm der UniversitätLeipzig hatte, es wohl verdient hätte, dass Sie zum Recen-senten der wissenschaftlichen Biographie eine tüchtigereKraft wählten. Das erforderte die Pietät. Haben Sie dennwirklich, bei Ihrem bekannten Scharfsinn, nicht gefühlt,dass dies alles leeres Geschwätz ist, mit dem man — umeinen populären Ausdruck zu gebrauchen — keinen Hundvom Ofen lockt?
a Ritschi war kein Gelehrter«! Offenbar hat der An.ebensowenig eine Vorstellung davon, was ein Gelehrter ist,als er, wie ich bald zeigen werde, weiss, was ein Philologe