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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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106
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der feinfühlende Leser herausmerken würde, die aber nunoffen auszusprechen mich die Zudringlichkeit des An. zwingt.Ich bin nämlich der Meinung, dass die bewunderungs-würdige Beherrschung des Stoffes und das feine Gefühl,das Ritschi in grammatischen und (mit einzelnen Aus-nahmen) in metrischen Fragen als Latinist gezeigt, ihmkeineswegs in gleicher Weise auf dem Gebiet der Grae-cität innewohnten, und dass er deshalb zu den grösstenGraecisten nicht gerechnet werden kann, während er unterden Latinisten für alle Zeit einen ehrenvollen Platz ein-nehmen wird. Auch könnte ich namhafte Kenner desGriechischen bezeichnen, die derselben Ansicht waren.Und dass auch ich einigermassen das Recht habe, überGegenstände der griechischen Philologie mitzusprechen,möge der An. aus meiner Geschichte der klassischen Philo-logie in den Niederlanden lernen. Es veranlasst mich zujenem Urtheil der Umstand, dass in Ritschl's Opuscula,soweit sie sich auf Griechisches beziehen, Metrisches nurunbedeutend, Grammatisches fast garnicht behandelt wird,ganz im Gegensatz zu seinen Arbeiten auf dem Gebiet desLatein, dass ferner seine griechischen Studien sich mitVorliebe neben litterarischen, sachlichen Untersuchungen zu-wandten, oder bei den Autoren verweilten, die vielmehrein stoffliches als formelles Interesse haben, ganz andersals bei seinen lateinischen Studien. Auch ist es vielleichtbedeutsam, dass unter den in Brambachs Schrift überRitschi und die Philologie in Bonn S. 40 aufgezähltenArbeiten von Graecisten aus der Schule Ritschl's währendder Bonner Periode fünfzehn über griechische Antiquitätenhandeln, während nur vier über römische Antiquitäten ver-zeichnet sind. Nun könnte vielleicht ein eifriger Ritschelianer