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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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wie schon der alte Homer sagt, die unsterblichen Götterverliehen nicht alles Einem. Jeder muss so verbraucht wer-den, wie ihn die Natur geschaffen hat. Genug, ich habebei meinen metrischen Untersuchungen nie der Musik be-durft, und doch etwas zu Stande gebracht. Auch umRitschl's metrische Leistungen zu verstehen und zu würdigen,habe ich niemals Kenntniss der Musik nöthig befunden. Jaich bin sogar etwas misstrauisch gegen die musikalischenPhilologen. Denn ich habe deren gekannt, die bei gründ-lichster Kenntniss der Musik in Theorie und Praxis gleich-wohl es nie dazu brachten, auch nur einen Hexameter, ge-schweige eine Strophe des Horaz scandiren zu können, undauch sonst für die Gesetze der Prosodie eine entschiedeneAversion zeigten. Wenn ich damit auch keineswegs sage,dass metrisches und musikalisches Gefühl unvereinbar seien,so zeigt doch dies Factum, wie wenig sie zusammen zuwohnen brauchen. Nun scheint mir aber die auf sprach-liche Empirie gegründete Kenntniss der gangbaren Metra daswichtigste, in der Praxis nothwendigste Erforderniss für denPhilologen. Erst wer in diesen ganz sicher ist, möge sichan die dorische und chorische Lyrik machen und sehen,wie er dieser beikommen kann, und wie weit er zu ihremVerständniss, ferner um ein systematisches Gebäude dergriechischen Metrik aufzuführen, musikalischer Kenntnissebedarf.

Bei dieser Gelegenheit spreche ich es aus, natürlichohne die grossen Verdienste einzelner neueren Gelehrten aufdem Gebiete der Metrik in Nachfolge Böckh's irgend schmä-lern zu wollen, dass es höchst wünschenswerth wäre, wennein Philologe eine griechische Metrik rein nach Hermann-schen oder vielmehr Porsonschen und Bentleyschen Grund-