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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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fördern und entwickeln. Freilich überwiegt bei einzelnen' Schülern ganz hervorragend der Verstand, bei anderen Phan-tasie und Gefühl. Aus jenen entwickeln sich, wenn siezur Reife gelangen, die Intelligenzen der Gelehrsamkeit,sowie des praktischen, öffentlichen wie privaten, Lebens,aus diesen, unter gleich günstigen Bedingungen, die Grössender Kunst und Belletristik. Die Schule soll aber ebenso-wenig wie die Universität als ihre Aufgabe ansehen dieEntwickelung frühreifer Genies, sondern die Bildung derMenschen von gewöhnlicher Begabung, die dem Idio-ten ebenso fern stehen als dem Genie. Für das Geniekönnen die Lehrer der Gymnasien und Universitätennur in soweit Sorge tragen, dass sie unzweifelhafte Bega-bung und Neigung in irgend einem Fache thunlichst hegenund pflegen, und gegen die damit regelmässig verbundenegeringe Begabtheit oder auch Gleichgültigkeit für andereFächer, da sie meist sehr schwer zu überwinden, sovielNachsicht zeigen als irgend vor den Gesetzen und demGewissen zu verantworten ist.

Desshalb grade, weil die Meisterwerke des klassischenAlterthums gleichmässig excelliren durch den Bau der Sprache,die Vollendung der Form und die Fülle des Inhalts, deruns zugleich den Blick in eine von der unseren so ver-schiedene und doch, da die Alten auch Fleisch und Blutvon unserm Fleisch und Blut waren, wieder uns so verwandteWelt gewährt, bin ich der Meinung, dass der Klassicismus,wenn er von formal tüchtig geschulten Lehrern vertretenwird, ein unübertreffliches Bildungsmittel ist.

Der An. findet, »die Biographie lese sich im Grossenund Ganzen fast genau so wie eins der Elaborate, die ausdem gelehrten Comitd des russischen Ministeriums der Volks-

F. Bilschl, v. L. MueUer. 7