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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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leitet hat, wird jeder, der nur einigermassen mit meinenSchriften bekannt ist, leicht ermessen.

Der An. wirft mir vor, dass in der Aufzählung vonRitschl's Werken gar manches Wichtige (d. h. was ihmwichtig scheint) fehle als ob ich der Bibliograph Ritschl'shätte sein wollen, nicht der Biograph. Er sehe nur, wiesich Ruhnken mit der Bibliographie bei Hemsterhuis ab-findet, obwohl dieser, eine ziemlich behäbige und bequemeNatur, sehr viel weniger publicirt hat als Ritschi.

Ueberhaupt wieviel fehlt doch dem elogium Hemster-husii! Wieweit ist die Kunst der philologischen Biographieseit Ruhnkens Zeit fortgeschritten!

Die persönlichen und litterarischen Differenzen desHemsterhuis sind entweder ganz übergangen oder nurflüchtig angedeutet. Die Gegner werden meist bezeichnetohne Namen, allen, selbst einem Burmann gegenüber, istdas Decorum gewahrt, man findet keine Verdächtigung oderHerabsetzung anderer Grössen der Gelehrsamkeit, Ruhnkenmeinte offenbar, beschränkterweise, man könne einem be-deutenden Gelehrten Gerechtigkeit wiederfahren lassen, ohneandere vielleicht ebenbürtige, aber verschiedenartige herabzu-setzen (denn man täusche sich nicht, für die Wissenschaftgilt grade wie für das Leben der Spruch eines berühmtenPhilosophen, dass kein grosser Mann ohne eine gewisse Be-schränktheit zu denken ist); es fehlt endlich man denke,welcher Schade I jeder Beitrag zur philologischen chro-nique scandaleuse jener Zeiten.

Ich muss nun diese Oase verlassen, und weiter durchdie Wüste des An. wandern; doch werde ich mich thun-lichst nur da verweilen, wo sein Gerede mir eine, wennauch noch so indirecte, Veranlassung giebt, eigene Bemer-