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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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thäters Hemsterhuis langes Leben in Freud und Leid bes-ser denn irgend jemand. Und wie behandelt er es? Ineiner Anmerkung von sechs Zeilen, einer der wenigen An-merkungen des Buches. Dagegen bin ich noch sehr aus-führlich gewesen. Der An. tadelt, dass ich über Ritschl'sCharakter nicht genügend Licht verbreitet hätte. Ruhnkenspricht sich zwar über Hemsterhuis Charakter ziemlichausführlich aus; allein der feine Leser merkt leicht, dasser den Charakter seines Helden nur in soweit geschildert,als er für die Würdigung des Gelehrten in Betracht kam.Genau so habe ich es auch gemacht.

Der An. tadelt, dass ich Ritschl's Differenzen mit derPreussischen Regierung zu kurz behandelt, seine Beziehun-gen zu Napoleon III. garnicht erwähnt habe. Er zeigtnur überall seine Gedankenlosigkeit.

Was den Streit mit Jahn und alles, was daran unddarum hing, betrifft, so kamen für eine wissenschaftlicheBiographie nur zwei Momente in Betracht: der Einfluss,den Ritschrs Ausscheiden auf die Universität Bonn geübt,und der Einfluss, den die Sache auf Ritschi selbst, be-züglich die Universität Leipzig, der er nach Bonn seineThätigkeit widmete, geäussert hat. Ueber beides ist ge-handelt S. 5. meiner Schrift. Dass Ritschi persönlich derAbgang von Bonn unangenehm war, weiss ich sehr wohl.Dies war aber für eine wissenschaftliche Biographie garnicht von Belang. Dagegen will ich hier eine Bemerkungnicht unterdrücken, die nicht blos ich gemacht. Es scheintmir nämlich, dass Ritschi, der, wie noch seine letzte Pu-blication zeigt, im Grunde eine streitbare Natur war, derStreit mit Jahn, so ärgerlich und in seinen Folgen uner-freulich er war, doch körperlich und geistig weit mehr ge-