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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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Dadurch nun, dass die meisten philologischen Biogra-phien den Schwerpunkt in die Schilderung von Lebensum-ständen und Charakter des Verstorbenen legen, sind sieoft nur halb, häufig kaum zum zehnten Theil, wissenschaf-liche. Neben der Subjectivität, die sich zu allen Zeitenin der klassischen Philologie mehr als billig geltend ge-macht, und neben dem Unwesen der Cliquen und Coterienhat hauptsächlich das Mangelhafte der meisten philologischenBiographien es bewirkt, dass diese Disciplin trotz der gros-sen Menge ausgezeichneter Geister, die sich mit ihr seitfünf Jahrhunderten beschäftigt haben, noch so weit zurückist, und wenn wir ehrlich sein wollen, in den meisten Ge-bieten eben erst ein achtungswerther Anfang gemacht ist.Dafür blüht in solchen Machwerken üppig die Phrase, jenerKrebsschaden der klassischen Philologie, die mir im Grundeder Seele verhasst ist. Goethe sagt einmal, er habe nieauf das empfindsame Volk etwas gehalten, weil bei Gele-genheit nur schlechte Gesellen daraus würden: man kannmit demselben Rechte sagen, dass auch der fähigste Kopf,wenn er unter die Gewalt der Phrase geräth, für die Wis-senschaft verloren ist.

Man sollte meinen, dass nichts mehr zu einer Darstel-lung in objectivstem Styl sich eigne, als die wissenschaft-lichen Leistungen eines bedeutenden Todten. Der Hassund Neid, die Verläumdung und Intrigue der Feinde, denenein ausgezeichneter Gelehrter im Leben oft hinderlich, schonseine Existenz ein stiller Vorwurf ist, können sich bei seinemGrab beruhigen; der Eifer und das Ungestüm der Freunde,die jenen bei seinem Kampfe um das Dasein oft mehrdenn billig zu loben oder minder als recht zu tadeln ver-leitet sein konnten, dürfen sich massigen. Eine Fülle des