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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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geistigen und körperlichen Erholung nöthig sind, wenig Zeitzur gründlichen Ergänzung der fehlenden Kenntnisse oderzu grossen, einheitlich angelegten Werken bliebe.

Was ferner das in manchen Kreisen nicht unbeliebteTodtschweigen unbequemer und gefürchteter Gegner betrifft,so ist die Verwerflichkeit dieses Mittels so augenscheinlich,dass wer nur irgend moralisch und intellectuell in Betrachtkommt, dasselbe gebührend zu würdigen weiss. Wo abereine Entstellung der wissenschaftlichen Deduction, wo fernerein Ueberschätzen des Mitteln)ässigen, ein Herabsetzen desVorzüglichen stattfindet, muss man sich zehnmal bedenken,ehe man ein moralisches Verdammungsurtheil fällt, schondeshalb, weil man fast nie wird entscheiden können, obdie bezüglichen Fehlgriffe absichtlich oder unabsichtlichbegangen sind. Im ersten Fall liegt freilich eine moralischeVerirrung vor, im zweiten aber nur eine intellectuelle; unddann muss man die Delinquenten offenbar vielmehr be-dauern als anklagen. Denn moralische Gebrechen lassensich durch ernstes Bestreben meist beseitigen oder dochmildern: gegen Mangel an Talent aber ist kein Kraut ge-wachsen.

Aus dem Gesagten ergiebt sich auch, wie abgeschmacktes ist, wenn Gelehrte, zumal Philologen, von sich oderandern rühmen, es sei ihnen bei ihren Forschungen nurum die Wahrheit zu thun. Ziel der Wissenschaft ist jaeben die Erkenntniss des Wahren, Aufgabe der Gelehrtendiese Erkenntniss zu fördern. Dazu werden sie vom Staatangestellt; das erwartet von ihnen das Publicum. Es istalso ebenso verkehrt, wenn ein Gelehrter sich seiner Wahr-heitsliebe rühmt, als wenn jemand, der auf den Marktgeht, sich rühmen wollte, dass er mit echtem, nicht mit