Druckschrift 
Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
Seite
80
Einzelbild herunterladen
 

8o

eine Autorität auf dem Gebiete der Gelehrtengeschichte wieFriedrich August Eckstein, hat auf der Philologenversamm-lung dieses Jahres in öffentlichem Vortrag meine Schriftüber Ritschi zusammengestellt und verglichen mit Ruhn-ken's selogium Hemsterhusii.« Sehr bezeichnend für dieEhrlichkeit gewisser Leute ist es, dass in den Referatender Kölnischen Zeitung und der Berliner Nationalzeitung,den einzigen, die mir zu Gesicht gekommen sind, diesesUrtheil Eckstein's mit keiner Silbe erwähnt war, wogegenein unbegründeter Tadel desselben Gelehrten (falls ihm der-selbe wirklich entfallen ist), statt ihn zu berichtigen, sorg-fältig vermeldet wurde r ).

Eckstein also charakterisirte meine Schrift durch eineVergleichung mit Ruhnken's »elogium Hemsterhusii« alseine Darstellung meiner Ansichten über »ars nostra« amFaden der Thätigkeit Ritschl's. Dass es nicht etwa in derWeise geschehen, dass jener Gelehrte sie als abschrecken-des Beispiel jenem grössten Meisterwerk einer wissenschaft-lichen Biographie gegenüberstellte, sondern mit Lob, kann

i) Es hiess dort, Eckstein habe es getadelt, dass ich Ritschizum Schüler Hermann's gemacht. Ich sage aber S. 2. meines Buchesdas Gegentheil. Eckstein schrieb mir, er entsinne sich der bezüg-lichen Angabe nicht genau. Sollte er wirklich den Irrthum began-gen haben, so erklärt sich dieser einfach daraus, dass der Rednerdurch einen Zufall kurz vor Beginn seines Vortrags die darauf be-züglichen Papiere verloren hatte, die sich erst später wiederfanden,und so seinen Vortrag zu improvisiren genöthigl war. Dass übrigensHermann auf Ritschl's plautinische Studien bedeutsam influirt hat,weiss jeder, und ist dies auch S. 25, 31 der wissenschaftlichen Bio-graphie erwähnt. Dazu brauchte er aber nicht Hermann's Schülerzu sein. Wie oft Gelehrte auf andere influiren, auch auf solche, dienie ein Colleg bei ihnen gehört haben, ist bekannt genug.