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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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Ritschi, der vor allem auf Ehrlichkeit und Gewissenhaftig-keit im gelehrten Verkehr sah (man denke nur an seinBonner Abschiedsprogramm!) würde geantwortet haben, mansolle nie über ein Buch urtheilen, das man nicht gründlichgelesen habe. Ich sage in meiner Schrift S. 14. 15 fol-gendes: »Selbstverständlich soll sich aber die Inter-pretation der Autoren auf den Universitäten nicht auf diein Schulen gelesenen beschränken, sondern auch anderemöglichst berücksichtigen, je nach dem Verhältnisse ihrespraktischen Nutzens für die Erkenntniss des Alterthumsoder der kritischen Probleme, die sie darbieten. Auch fürdie Uebungen der Seminarien werden solche Autoren ent-sprechend benutzt werden müssen.'<

Und doch erdreistet sich der An., den Lesern des Litt.Centralblattes vorzureden, ich wolle Aristophanes und diegriechischen Lyriker, Catull und Lucrez, Plautus und Terenzvon den Lectionen der Universitäten ausschliessen! Er hättehöchstens bitten können, dass ich die von mir allgemeinbezeichneten Schriftsteller im Detail angäbe!

Ihr Scharfsinn, Herr College, hat bereits erkannt, dassder An. in jeder Hinsicht zu tief steht, als dass ich mit ihmernstliche Polemik führen könnte.

Durch eine seltsame Fügung des Schicksals ist einigeWochen vor Ihrer Recension ein Urtheil über meine Schriftkund geworden, das etwas verschieden lautet. Ich erwähnedies, obgleich ich es brieflicher Mittheilung verdanke, un-bedenklich, da es keineswegs in privatem Kreise, sondernvor den versammelten Philologen Deutschlands abgegebenist. Ein Freund Ritschl's in Glück und Unglück von derStudentenzeit bis zum Grabe, ein langjähriger College, eingenauer Kenner seines Charakters wie seiner Werke, endlich