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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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schaftliche Bedeutung hätte, oder weil ich fürchtete, esmöchte auch nur ein beachtenswerther Leser meiner Schriftüber Ritschi durch sie entfremdet werden.

Erlauben Sie mir, für das eben Ausgesprochene kurzden Beweis anzutreten.

Zu einer wissenschaftlichen Kritik gehören, wie jedersieht, drei Erfordernisse: Sachkenntniss, Urtheil, Zuverläs-sigkeit.

Ich werde Ihnen an drei Beispielen zeigen, wie es indieser Hinsicht mit Ihrem anonymen Recensenten, den ichvon jetzt ab kurzweg den Anonymus nennen werde, steht.

Um meine Biographie Ritschl's wissenschaftlich zubeurtheilen, waren zunächst erforderlich zwei Sachen, Kennt-niss des Plautus und der alten Latinität bis Varro, auf wel-chem Gebiet, wie Jeder weiss, der Schwerpunkt von Ritschl'swissenschaftlicher Thätigkeit liegt, und Kenntniss der Ge-schichte der Philologie und Pädagogik.

Was den ersten Punkt betrifft, so gesteht der An. selbst,er sei kein Plautiner und müsse meine Ansichten über plau-tinische Fragen der Beurtheilung von Specialisten überlassen.Danach ist er überhaupt kein »Specialist« auf dem Gebietder alten Latinität: denn wie könnte er dort Specialist sein,wenn er nicht im Plautus gründliche Studien gemacht? Wasaber seine Kenntniss der Geschichte der Philologie und Pä-dagogik betrifft, so werden Sie bald sehen, dass von ihmjeder leidlich unterrichtete Student um sein Wissen in die-sen Fächern beneidet werden könnte.

Soviel von der Wissenschaft des An. Wie steht esnun mit seinem Urtheil?

Ein Hauptgegenstand seines Tadels ist, dass ich ver-schiedene Eigenschaften oder Leistungen Ritschl's entweder