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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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Im Jahre 1873 fasste das K. Ministerium der Volks-aufklärung, zur thunlichsten Beseitigung des Mangels anLehrern der klassischen Sprachen in Russland (zu welchemZwecke bekanntlich seit 10 Jahren das historisch-philolo-gische Institut in Petersburg und seit 2 Jahren das inNesjhin wirken) den Plan, in Leipzig ein Seminar zu er-richten, in welchem sich Studirende, besonders slavischerNationalität , zu russischen Gymnasiallehrern ausbildenkönnten. Zu diesem Zwecke trat der wirkliche StaatsrathA. I. Georgiewsky mit Ritschi während des Sommers 1873in Verbindung und entsprechend den mit diesem Herrngetroffenen Verabredungen entwarf Ritschi ein Programmder Bestimmungen, welche für Aufnahme in das Seminarund für die pädagogische Praxis desselben gelten sollten.Da ich damals grade durch Leipzig kam, erwies mir Ritschidas Vertrauen, mein Ansicht über den Inhalt des Pro-gramms zu erfragen, und ich fand dasselbe mit Aus-nahme einiger Kleinigkeiten so vortrefflich, wie man esnur wünschen konnte. Besonders verdiente alle Anerken-nung, dass Ritschi, der, wie wir gesehen haben, sonstmehr die Bildung von Gelehrten als von Lehrern ins Augefasste, hier ganz und gar seine Aufmerksamkeit auf diepraktischen Interessen des Gymnasialunterrichtes concen-trirte. Ich hatte mehrfach Gelegenheit, Herrn Georgiewskyzu sagen, dass, wenn man ein solches Seminar im Aus-lande gründen wollte, Ritschi entschieden die geeignetstePersönlichkeit zur Leitung desselben sei.

Im Herbst 1873 ward das Institut eröffnet. Ritschibehielt die Oberleitung des Ganzen und einen Theil derLectionen, während er für die übrigen jüngeren Lehrkräfteheranzog. Zu Ostern des Jahres 1876 wurden die ersten