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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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selben erforderliche Stimmung sich immer zu geben liegtnicht in ihrer Macht. Bei zeitweiligem Erschlaffen derSpannkraft begegnen ihnen gelegentlich sogar Versehen,wie sie selbst einem Duodezkritiker kaum passiren. Be-denkt man ausserdem, dass jeder Autor, auch der nüch-ternste, correcteste und gleichmässigste Prosaiker, ge-legentlich in sprachlicher, logischer und sachlicher Hin-sicht unerwartete, ja unberechenbare Sprünge macht (dader menschliche Geist kein Uhrwerk ist, das, wenn auf-gezogen, ruhig bis zum Ende fortläuft), dass ferner schonwegen der mangelhaften Ueberlieferung in jedem Schrift-werk des Alterthums stets eine Anzahl Stellen zurück-bleiben werden, für die eine definitive Herstellung desOriginals nicht wohl möglich ist, weil die vorliegendenSchäden entweder gar nicht oder auf verschiedene Weisebeseitigt werden können, so wird sich Niemand wundern,dass selbst die vollendetsten Leistungen der divinatorischenKritik, z. B. der Bentley'sche Horaz oder der, wenn aucherheblich niedriger stehende, Lachmann'sche Lucrez, vielenWiderspruch zu erwecken im Stande sind. Jemehr manjedoch solche Werke studirt, desto gründlicher wird mansich überzeugen, dass es leicht ist, an ihnen zu tadeln,aber meist schwer, sehr schwer, etwas besser zu machen.Nur die Unreife oder die Eitelkeit wird sich deshalbbeeilen, wenn einmal, was selten genug geschieht, einMeisterwerk der divinatorischen Kritik erscheint, an einersolchen Leistung den eigenen Scharfsinn zu documentiren.Der echte Kritiker wird in seinem wie der WissenschaftInteresse es vorziehen, durch ein Lustrum oder noch längerstillschweigend zu bewundern und zu gemessen.

Nur der Unverstand kann von einer kritischen Aus-