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ihn heran, die durch alle Gelehrsamkeit, als solche, nichterfüllt werden können.
Man darf deshalb die Kritik beinah als die Fertig-keit bezeichnen, in der sich Poesie und Wissenschaft,zwei übrigens so verschiedene Phänomene des menschlichenGeistes, amalgamiren.
Nun aber steht die divinatorische Kritik auch demam reichsten Begabten nicht immer in gleicher Weise zuGebot. Sie ist, wenn ich mich so ausdrücken darf, einzu ätherisches Wesen, als dass sie nicht von den Zufällig-keiten des Dunstkreises, in dem wir leben, afficirt werdensollte. Am glücklichsten geht sie von statten, wenn sieunabsichtlich kommt. Selbst der begabteste Kritikerwird meist wenig reussiren, wenn er an ein Werk mitder Absicht tritt, es durch Conjecturen zu verbessern. Esbedarf ferner zur glücklichen Reconstruction eines Schrift-werkes, d. h. um sich ganz in ein fremdes ingenium hin-einzudenken, nicht blos der geeigneten Begabung, sondernebenso sehr der geeigneten Stimmung, die nur dann zuentstehen pflegt, wenn zugleich Körper und Geist sichwohl befinden. Diese Stimmung aber kann sich Niemandgeben; sie hängt von zu vielen Zufälligkeiten ab. Auchtreten in der empfindsamen und reizbaren Natur desächten Kritikers leichter Störungen ein als bei andernSterblichen.
Nach dem Gesagten ergibt sich von selbst, weshalbeinheitliche kritische Leistungen selbst der grössten Ingenienimmer manches zu wünschen lassen. Auch wenn ihnendie zur Vollendung ihres Werkes nothwendige Zeit ge-nügend zugemessen war (was, beiläufig gesagt, bei Bentley'sHoraz und Terenz nicht der Fall war): die zu eben dem-