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sprünglichen Gestalt des Textes in Betracht kommendenFragen erfolgreich reconstruiren.
Warum ist nun dies so viel schwerer als die Auf-findung einiger Dutzend guter Besserungen für einen ver-derbten Text? Nicht blos durch den grösseren Umfangder Aufgabe, sondern weil zu ihrer glücklichen Vollendungvielfach Bedingungen erforderlich sind, die wir gar nichtimmer in unserer Gewalt haben. Bekanntlich ist dieDivination keineswegs blos etwas mechanisches; ■— dennwer alle Regeln der Kritik und Palaeographie inne hat,wird dadurch noch lange nicht in den Stand gesetzt, auchnur eine einzige gute Conjectur oder Combination zumachen. Es genügt aber für jene auch keineswegsscharfer, durchdringender Verstand. Nur wo diese,übrigens höchst schätzenswerthe, Eigenschaft, deren Auf-gabe zunächst nur der erste Schritt zur Wahrheit, dieErkenntniss des Falschen, ist, mit einer, wo nicht produ-cirenden, wenigstens reproducirenden Erfindungsgabe sichpaart, feiert die divinatorische Kritik ihre wahren Triumphe.Denn es ist die Aufgabe des Kritikers, in die, wie immergestaltete, geistige Natur des behandelten Autors, dessenWerk aber — und darin liegt eben die grösste Schwierig-keit — nie in reiner, sondern stets in mehr oder wenigergetrübter Gestalt vorliegt, sich so zu vertiefen, dass zeit-weilig sich sein ingenium mit dem seines Autors deckt.Dazu ist natürlich das erste Erforderniss, dass man dasWerk, welchem man sich zugewendet, vollkommen kennt,womöglich im Gedächtniss hat, aber keineswegs daseinzige. Die gründlichste Kenntniss dieses Werkes, wie derverwandten, ist doch nur die äusserliche Bedingung sinequa non für den Kritiker, es treten Anforderungen an