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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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seinem 40. Jahre berühmt geworden. Der eben überSammelwerke dieser Art ausgesprochene Tadel gilt auchfür Ritschl's acta. Dass dieselben vieles Gutes, einigesVortreffliche enthalten, wird bei Ritschl's eminentem päda-gogischem Takt und Einfluss auf die Jugend nichtwunderbar scheinen; aber ebenso wenig mangelt es anhalbreifen oder mittelmässigen, ja ganz verfehlten Arbeiten.Das Gute in den acta würde auch ausserhalb derselbensein Publikum gefunden haben. Ritschi selbst aber würdeohne die Herausgabe der acta viel Zeit übrig gehabthaben, und er hätte die Gelegenheit gefunden, den 3.und 4. Band seiner opuscula, bereichert mit zeitgemässenZuthaten, herauszugeben, die nun in Zeitschriften undProgrammen zerstreut liegen. Dafür würde ihm die Wissen-schaft viel dankbarer sein als für die acta.

Noch möchte ich auf eine Eigenheit der SchuleRitschl's aufmerksam machen, die nicht ganz ohne Ritschl'sSchuld entstanden, ich meine ihre Vorliebe für Behand-lung von Fragmenten. Dass Ritschi zu dieser gern er-munterte, erklärt sich freilich leicht, da seine Studienihren Mittelpunkt hatten in der vorklassischen Latinität,die ausser den Comödien des Plautus und Terenz fastnur einen grossen Trümmerhaufen bildet. Auch ist dieNeugestaltung von Fragmenten sehr verführerisch fürjunge Gelehrte, insofern jene meist ein weit umfang-reicheres Feld für geistreiche oder bestechende Combina-tionen bieten als vollständig erhaltene Werke, selbst ab-gesehen dass sie meist weniger durchackert sind als diese.Aber nirgend hat man sich auch mehr zu hüten vorSpitzfindigkeiten und Hariolationen, vor gewagten Con-jeeturen und Willkürlichkeiten, vor Vernachlässigung