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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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187176, wie vor ihm öfters Leipziger Professoren, zu-letzt Curtius, Abhandlungen jüngerer Männer herausgab,die er zu einer philologischen Gesellschaft vereinigt hatte.Wenn dies Unternehmen einerseits ein Zeugniss ablegtvon Ritschl's regem Interesse für seine Schüler und dermächtigen Wirkung, die er auch in vorgerückten Jahrenauf die Jugend ausübte, so halte ich andererseits solcheSammelwerke, wie sie jetzt in Deutschland beliebt sind,für höchst bedenklich, oder vielmehr verfehlt. Mag auchden Professor, der das Ganze leitet, immer der aufrichtigsteWunsch, die Wissenschaft ernstlich zu fördern, allesMangelhafte auszuscheiden, beseelen, so ist es doch füreinen Einzelnen bei dem heutigen so grossen Umfang derPhilologie und bei der Ueberhäufung mit Geschäften,unter der die deutschen Professoren leiden, gar nichtmöglich, überall die vorschnellen oder mittelmässigenArbeiten immer gebührend zurückzuweisen, ganz abge-sehen davon, dass überhaupt Werke von dauerndem Werthesich nicht durch fremde Anregung oder günstige Gelegen-heit zum Druck hervorzaubern lassen, sondern nur aus demeigenen, unmittelbaren Drange bevorzugter Naturen hervor-gehen. Oft erweckt es auch ein schädliches Selbstvertrauenbei jungen Leuten, wenn sie unter der Aegide eines be-rühmten Gelehrten zuerst dem Publikum vorgeführt werden.Sie meinen, sie wären schon etwas, während sie doch nochnichts sind, und massen sich Urtheile über anerkannteGelehrte an, von denen sie lediglich zu lernen haben.Der wirkliche Ruhm ist eine Pflanze, die sehr langsamgedeiht, und man erreicht ihn nur durch viele Mühen undOpfer, gemäss dem alten Spruch: eruditionis radicesamarae, fruetus dulces. Ritschi selbst ist erst nach