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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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daraus, dass überhaupt die menschliche Natur, wenn manvon einzelnen Ausnahmen absieht, am sichersten dannarbeitet, wenn die ihr zufallende Arbeit genau begrenztist. Darum lässt es sich auch begreifen, dass bei manchenderselben die ersten Arbeiten, wo ihnen Ritschi noch selbstdie Hand führte, die besten sind. Andererseits ist es nichtzu verwundern, dass zuweilen Entdeckungen Ritschl's, z. B.die symmetrische Responsion in manchen Dialogpartieendes antiken Dramas, indem man sie ungeschickt ander-weit anwendete, in Misskredit kamen und übel statt gutwirkten.

Schliesslich bedarf es kaum der Erwähnung, dassRitschi gebührend bedacht war, seine Schüler auch mitden äusseren Kunstgriffen der Kritik, den Gesetzen derPalaeographie in Handschriften und Inschriften bekannt zumachen, wie er auch seine weitreichenden Verbindungengern benutzte, um jungen Philologen das zu ihren Arbeitenerforderliche handschriftliche und inschriftliche Material zubeschaffen.

Man hat Ritschi vorgeworfen, dass er das Studiumseiner Schüler auf einen verhältnissmässig sehr engen Kreisvon Schriftwerken des Alterthums concentrirt habe, dassdadurch ihr Gesichtskreis eng geworden sei, und dassüberhaupt die wenigsten derselben sich durch umfang-reiche Kenntniss der klassischen Literatur ausgezeichnet.Diese Vorwürfe sind in Bezug auf die Mehrzahl richtig;doch trifft dabei Ritschi nur in soweit Schuld, als er wohlden Kreis seiner Vorlesungen mehr hätte ausdehnen können.Für die Interpretation im Seminar kann selbstverständlichin jedem Kurse nur ein, an Umfang beschränktes, Werkin Betracht kommen, falls dieselbe Frucht bringen soll. In.