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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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land ist folgende. Meist leiten zwei Directoren einSeminar, einer die Uebungen im Griechischen, ein andererdie im Lateinischen. Die Arbeiten der, meist in vor-gerückten Semestern befindlichen, Mitglieder bestehen theilsin der Interpretation eines Autors, welchen der Leiter desSeminars bestimmt, theils in Disputationen über schwierigeoder verderbte Stellen der verschiedensten Autoren, theilsin schriftlichen Arbeiten, die sich meist mit grammatischen,metrischen, kritischen Fragen, seltener mit literarhistorischen,am seltensten mit Realien befassen. Diese werden dann voneinem sogenannten Opponenten recensirt unter Leitung desProfessors. Die Wahl des Stoffes der Disputationen undder schriftlichen Arbeiten ist meist dem Belieben derStudirenden anheim gestellt. Die Sprache bei allen diesenUebungen war früher durchweg lateinisch. Leider hat inneuester Zeit dies mehrfach dem Deutschen weichen müssen.Auch in Ritschl's Seminar wurde auffälligerweise öftersdeutsch disputirt. Die Bemerkungen des Professors sind theilssachlichen, theils stilistischen Inhalts. Dass ein Mann wieRitschi grade auch der stilistischen Seite gebührende Auf-merksamkeit zuwandte, braucht kaum bemerkt zu werden.Was nun .weiter den Inhalt der Uebungen betrifft,die Ritschi mit den Studirenden anstellte, so hat der-selbe allerdings keine neue kritische Methode für die Be-handlung von Fragen der formalen Philologie erfunden,wie schon oben auseinandergesetzt. Dagegen hat er derphilologischen Thätigkeit manche neue Gebiete erschlossen,auf welchen dann auch seine Schüler sich mit besonderemEifer bewegt haben. Für die Versuche der Emendationvon Texten war es freilich kein Vortheil, dass Ritschl'skritische Thätigkeit von Plautus ausging, da der heillos