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auf Citate hielt er eine verständige Mitte zwischen demUnwesen holländischer Philologen heutiger Zeit, die fastnie citiren, und dem Unwesen vieler deutscher Philologenjeder Zeit, die durch eine Sündfluth von Citaten das besteCollegium ungeniessbar zu machen verstehen.
Es versteht sich von selbst, dass bei Ritschl's Collegiendie Probleme der formalen Philologie ausführlicher be-handelt wurden als die der realen. Mit besonderer Vor-liebe verweilte er ferner bei der Erklärung oder Ver-besserung schwieriger oder verderbter Stellen.
Was den Inhalt seiner Vorlesungen betrifft, so hätteman vielleicht eine grössere Mannigfaltigkeit wünschenkönnen. Besonders scheint es mir zu bedauern, dass erniemals (oder doch fast nie) die Geschichte der römischenLiteratur gelesen hat, von der er gewiss ein lebensvolles,an neuen Anschauungen reiches Bild den Zuhörern ent-worfen haben würde. Theils Rücksicht auf seine Collegen,theils Ueberhäufung mit Arbeiten scheint ihn veranlasstzu haben, die Zahl seiner Lectionen zu beschränken. SeineVorlesungen während der Blüthezeit in Bonn und seit seinerUebersiedelung nach Leipzig umfassten hauptsächlich En-cyclopädie der Philologie, lateinische Grammatik, Metrikder Griechen und Römer, Interpretation des Plautus,Aeschylus, Aristophanes, Dionysius von Halikarnass.
Wenn Ritschl's Vorträge wegen der oben geschildertenVorzüge eine zahlreiche Zuhörerschaft anzogen, zuweilenüber 200, so entfaltete sich doch sein pädagogischesTalent noch glänzender in seinem Seminar, sowie in denUebungen, die er privatissime mit lernbegierigen Studentenhielt.
Die Einrichtung der philologischen Seminare in Deutsch-