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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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häufiger mit Geschick bewegt. Gleichwohl erkennt manleicht, wann er mit den augusteischen, und noch mehr,wann er mit den späteren Dichtern sich beschäftigt, dasser auf einem ihm minder vertrauten und minder sym-pathischen Gebiet operirt. Noch mehr gilt dies bei-läufig gesagt für die meisten seiner Schüler. Ueber-haupt ist der Unterschied zwischen den frühern Drama-tikern des alten Rom's und den daktylischen Dichternso gross, dass es fast wie ein Wunder erscheint, wennein Kritiker beide Gebiete mit gleicher Gewandtheit be-herrscht. Bei jenen fängt man am besten mit der soma-tischen professio ignorantiae an. Die Gesetze der Dakty-liker hingegen sind seit Virgil, Horaz, Ovid, zum mindestenwas die Metrik und Grammatik betrifft, im ganzen so ge-sichert, wie nur irgend ein Theil der exacten Wissenschaften.Man ersieht dies recht deutlich, wenn man Ritschl's prole-gomena zum Trinummus mit Lachmann's Commentar zuLucrez vergleicht. In diesem sind die meisten gram-matischen und metrischen Beobachtungen so zweifellos,dass sie fast unverändert von späteren Grammatikernund Metrikern recipirt werden konnten. Ritschl's prole-gomena enthalten auch genug des Positiven, aber nichtminder viel, was hauptsächlich deshalb wichtig ist, weiles den Anlass gab zu neuen, ergänzenden, berichtigenden,widerlegenden Untersuchungen.

Im übrigen hatte er für Sprachen einen weitschauendenBlick und ein lebendiges Interesse. Als ihn amtliche Be-ziehungen mit Russland vereinten, bedauerte er mir gegen-über, dass ihn seine vorgerückten Jahre am Erlernen derrussischen Sprache hinderten, und vorher, als ich nachPetersburg berufen wurde, rieth er mir dringend, das

F. RUschl, u. h. Mueller. 4