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Erst der italienische Epigraphiker Gaetano Marini (1742bis 1815) brachte Gewissenhaftigkeit und Kritik in dieBehandlung der Inschriften, und seit dieser Zeit ist dieEpigraphik durch Männer wie Borghesi, Orelli, Kellermann,Mommsen und Henzen immer mehr zur Wissenschaft ge-worden.
Zur Ergänzung des von der Berliner Akademie derWissenschaften entworfenen und seit lange in Ausführungbegriffenen Corpus Inscriptionum Latinarum gab Ritschidas oben genannte Werk heraus, welches durch die um-sichtige Kritik bei Unterscheidung des ächten und unächten,durch die Treue der lithographischen Abdrücke, endlichdurch reichhaltige Indices seinem Urheber für alle Zeiteneinen Namen unter den ersten Epigraphikern sichert, wiedenn selbst Herr Mommsen, bekanntlich kein FreundRitschl's, bei Gelegenheit des Streits über die Aechtheitder Nenniger Inschriften, Ritschl's Bedeutung in der Epi-graphik ehrenvollste Anerkennung zu Theil werden Hess.
Leider ist der von Ritschi in Aussicht gestellte com-mentarius grammaticus nie erschienen, doch ist auch sodas Werk höchst wichtig für altlateinische Grammatik.Durch seine Uebungen pflanzte Ritschi die Methode derepigraphischen Disciplin bei dem jüngeren Geschlechte fort,und wie er selbst haben seine Schüler in ihren gramma-tischen Untersuchungen grossen Nutzen aus der Epigraphikgezogen.
Ich gehe jetzt zu einer Betrachtung von Ritschl'sLeistungen für die lateinische Orthographie über.
Die vulgäre Orthographie, wie sie bis tief in diesesJahrhundert hinein fast durchweg in den Ausgaben derrömischen Autoren herrschend war, beruht im Wesent-