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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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kritischen Ader verhinderte die Spätem, das von ihm ge-gebene Beispiel gebührend zu verwerthen.

Ritschi ist der moderne Schöpfer der historischenGrammatik im Latein, indem er stets mit getreuer Be-achtung der zuverlässigsten Handschriften und der bestenInschriften, andererseits gestützt auf metrische Observationen,die Geschichte dieser Sprache von ihren Anfängen in derLiteratur bis zum goldenen Zeitalter und darüber hinausverfolgte. Er hat für die lateinische Grammatik zuerstdie Inschriften in ähnlicher Weise methodisch verwerthet,wie für Antiquitäten und Geschichte Herr Mommsen. Zeugedavon ist das glänzende Werk: priscae Latinitatis (bis zumTode des Dictators Caesar) monumenta epigraphica adarchetyporum fidem exemplis lithographis repraesentataedidit Fr. Ritschelius. Berlin I862.*)

Schon die grossen Philologen des 16. Jahrhunderts,wie Lipsius und Scaliger, hatten die Bedeutung der Epi-graphik für die Alterthumsforschung in formaler wie realerHinsicht erkannt. Allein ihr Beispiel blieb unbeachtet, undJahrhunderte lang war die Epigraphik zwar nicht aus-schliesslich, aber doch meistentheils in den Händen vonDilettanten. Statt des Nutzens, den sie der Wissenschafthätte leisten können, stiftete sie vielmehr Verwirrung, in-dem eine Menge gefälschter Inschriften, hauptsächlichFabrikate des Ligorius, mit den ächten vermischt wurden.

*) Ueber Ritschl's epigraphische Studien, sowie seine Lehr-methode und die Art seines Vortrages handelt vortrefflich mein ge-lehrter und liebenswürdiger College, Herr Pomjalowsky, im Journaldes Ministeriums der Volksaufklärung vom Jahre 1871, Theil CLII.Abth. 3, Seite 3360. Wir empfehlen Jedem, der sich für RitschLinteressirt, dringend die Leetüre dieses Aufsatzes.