Druckschrift 
Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

erscheinen die so bewirkten Ausnahmen geringfügig imVergleich zu jenen beiden Gesetzen.

Auch um die Erkenntniss des ältesten und wie esscheint bis auf Livius Andronicus einzigen Metrums derRömer, des versus Saturnius, hat Ritschi sich grosse Ver-dienste erworben, indem er die von Otfried Müller fürdasselbe aufgestellten Gesetze beschränkt und berichtigthat (de titulo Mummiano p. 2). Freilich ist dieses Metrumso schwierig, die erhaltenen Saturnier sind so wenig zahl-reich und grossentheils so verderbt, dass eine endgültigeFeststellung seiner Gesetze und Licencen auch Ritschi nichtmöglich war und vielleicht Niemandem möglich sein wird.Ritschi ging von dem Grundsatze aus, dass wir ein rich-tiges Bild des Saturnius nur aus den Inschriften gewinnenkönnten; und bei der geringen Zahl und starken Verderbnissoder Interpolation der geretteten Saturnier des Livius undNaevius war diese Meinung auch nicht zu verwerfen. Da-gegen leuchtet es ein, dass wir leicht von den Inschriftenabsehen könnten, wenn wir nur hundert Saturnier desLivius oder Naevius in reiner Gestalt vor uns hätten.Denn diese waren schulmässig gebildete Männer: wie esaber mit der Bildung derer stand, welche die inschriftlicherhaltenen Saturnier gedichtet haben, ist unbekannt.

Ich komme jetzt zu dem vierten und letzten Theileder Betrachtungen über Ritschl's Leistungen für Plautus,zur Darstellung seiner Verdienste um plautinische und alt-lateinische Grammatik.

Die Grundlagen zu einer historischen Grammatik desLatein hat Vossius in seinem unsterblichen Aristarch gelegt.Doch fand er keinen würdigen Nachfolger vor Ritschi.Theils der Mangel an Hülfsmitteln, theils das Fehlen der