— 27 —
lateinischen Sprache durch Inschriften oder Citate alterAutoren gerettet hat, gibt uns zwar manche äusserstwerthvolle Bereicherungen unserer Kenntniss der ältestenLatinität, ist aber doch so wenig zahlreich, dass es unsdie Grösse unseres Verlustes nur desto lebhafter empfindenlässt.
Die allermeisten Fragen der Plautinischen Kritikmüssen aus Plautus selbst beantwortet werden. Dennselbst die Komödien des Terenz, obwohl sie der Zeitnach nicht sehr viel jünger sind als die Plautinischen(Terenz ward etwa in derselben Zeit geboren als Plautusstarb, um's Jahr 185 v. Chr., und starb schon 159),helfen uns weniger zur Kritik des Plautus als man an-nehmen sollte, da die lateinische Sprache seit Plautusund besonders Ennius sehr rasche Fortschritte in Eleganzund Reichthum machte, es ausserdem dem Terenz durchein günstiges Geschick vergönnt war, eine sorgfältige Er-ziehung zu geniessen und mit den gebildetsten Römernseiner Zeit in nähere Beziehungen zu treten. Bekannt-lich trugen diese Umstände so sehr zur Eleganz seinerKomödien bei, dass in Rom das Gerede ging, römischeEdle hätten ihm bei seiner Schriftstellerei geholfen. Plau-tus hingegen scheint zu der Elite der römischen Gesell-schaft in keiner Beziehung gestanden zu haben, seineKomödien sind ersichtlich auf Effekt bei der Plebs be-rechnet, weder in Sprache noch in Metrik hat er sichgleicher Sorgfalt beflissen als Terenz.
Fragen wir nun genauer, welche Verdienste Ritschium die Emendation des Plautinischen Textes gehabt hat,so stehe ich nicht an, dieselben, obwohl sie keineswegsunbedeutend sind, doch für beträchtlich geringer zu er-