Druckschrift 
Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

Doch konnte er erst einen festen Boden für seine kritischeThätigkeit gewinnen, als er die Schätze der italienischenBibliotheken, zumal der Ambrosiana in Mailand und derVaticana in Rom, für seinen Autor verwerthet hatte.

Die älteste und treueste Ueberlieferung des Plautusberuht im Wesentlichen auf zwei Handschriften der vati-canischen Bibliothek, demvetus codex Camerarii" unddem Ursinianus, einer der Heidelbergischen, demdecur-tatus Camerarii" und einem Mailänder Palimpsest, welchesim Anfang dieses Jahrhunderts der berühmte CardinalAngelo Mai entdeckt hat. Während die übrigen Hand-schriften, die schon vor Ritschi von vielen Gelehrten be-nutzt waren, keine wesentlichen Schwierigkeiten bieten,ist die Lesung des Ambrosianus eine höchst mühevolleund schwierige. Heutzutage ist derselbe in Folge desfortwährenden Gebrauchs chemischer Reagentien seitensder verschiedenen Gelehrten, welche ihn im Interesse desPlautus ausbeuten wollten, beinahe zu einer unförmlichenMasse geworden.

Ritschi hat sich vier Monate mit der Entzifferung dieserso werthvollen Handschrift beschäftigt. Und es ist sicher,dass er in dieser Zeit soviel für die Kritik des Plautusaus dem Ambrosianus gewonnen hat, als irgend möglichwar. Mag er auch zuweilen gegen Herrn Gepperts Colla-tion desselben Codex ungerecht gewesen sein, im Ganzenwird man bei zweifelhaften Stellen unbedingt seinemZeugniss den Vorzug geben. Dass gleichwohl später eindurch paläographische Begabung ausgezeichneter Philologe,W. Studemund, bei seinem mehrjährigen Aufenthalte inItalien und oftmaligen Besuche Mailands viele Stellen desPlautus im Ambrosianus richtiger oder vollständiger ge-