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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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die Griechen sagtmusas severiores colebant-',hat diejenigen, welche sich die Erforschung der altenSprachen, die Erklärung oder Verbesserung der geschriebe-nen Denkmäler zur Lebensaufgabe machten, immer wiederzu den römischen Autoren hingezogen, und wird sie nochlange hinziehen.

Das archaische Latein, d. h. die Zeit von den An-fängen der römischen Literatur bis auf Varro, war vonden italienischen Humanisten des 15. und 16. Jahrhundertsmit wenig Neigung und Glück behandelt worden. Da-gegen wurde es seit der Mitte des 16. Jahrhunderts derGegenstand energischer und erfolgreicher Studien seitensder französischen, niederländischen und deutschen Philo-logen. Männer wie Lipsius, Junius, der jüngere Scaliger,Acidalius, Janus Dousa, Vossius und Grotius haben sichauf diesem Gebiete unsterbliche Verdienste erworben.Ihre Thätigkeit kam auch besonders den altlateinischenDramatikern, zumal Plautus, zugute. Damals wusste manvom alten Latein manches, was später wieder auf langeverloren ging. *)

Allein seit der Mitte des 17. Jahrhunderts erschlaff-ten diese Studien; und etwa 150 Jahre lagerten über jenemweiten, aber dornigen und dunkeln Gebiet Unwissenheitund Unachtsamkeit. Nur Bentleys Ausgabe des Terenzerscheint wie eine Oase in der Wüste: sie bahnte einenWeg zum Verständniss des alten Lateins, den lange nachBentleys Tode andere Gelehrte mit Glück verfolgt haben.

Auch Deutschland hatte im 16. und 17. Jahrhundert

*) Vgl. meine Geschichte der klassischen Philologie in denNiederlanden S. 62.