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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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II

höchst dankenswerth, für die praktischen Zwecke gründ-licher und zweckmässiger Jugendbildung nur mittelbar inBetracht kommt.

Ist es also die erste Aufgabe der philologischenProfessoren, Gymnasiallehrer zu bilden, so ergiebt sichvon selbst, dass jene hauptsächlich solche Collegien halten,solche Uebungen veranstalten müssen, die diesen am meistenerspriesslich sind. Danach kann es keinem Zweifel unter-liegen, dass dem praktischen Nutzen besonders dienen dieFächer der formalen Philologie, durch die uns der soschwierige als kunstvolle Bau der alten Sprachen erschlossenwird. Denn die Sprache ist unbezweifelt das edelste,eigenthümlichste und wichtigste Gut des Menschenge-schlechts.

Wollte man das Gebiet der realen Philologie zurGrundlage der Jugendbildung machen, so könnte dasResultat kaum ein anderes sein, als ein wüster und zu-gleich von jeder Vollständigkeit sehr ferner Notizenkramin den Köpfen der Schüler. Nicht das Studium der That-sachen, in den klassischen Schriftwerken über Geschichteund Cultur des Alterthums mitgetheilt, die von den Schülernder Gymnasien häufig gar nicht nach Gebühr gewürdigtwerden können, deren Kenntniss auch nicht selten derJugendbildung wenig förderlich ist, sondern das Verständ-niss der grammatischen, syntaktischen, rhetorischen undmetrischen Vollendung, wie sie sich zumal bei den grösstenAutoren der alten Welt zeigt, bietet das geeignete Feldfür jene Gymnastik des jugendlichen Geistes, der manvergeblich die Beschäftigung mit den formal meist sehrentarteten neueren Sprachen oder mit den sogenanntenexakten Wissenschaften hat substituiren wollen. Diese