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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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der Form nicht zu denken pflegte, zuletzt die Vertreteraller übrigen Fächer der Prosa, je in dem Maasse als siebeflissen waren, ihren Werken auch formale Vollendungzu geben, wobei freilich zu beachten ist, dass die Alten,auch wenn sie über Ackerbau oder Pferdezucht schrieben,weit mehr Werth auf stilistische Vollkommenheit legten,als die Neuem, die selbst in den höchsten Gattungen derProsa nur zu oft dem Inhalt ausschliesslich ihre Sorgfaltwidmen, unbekümmert um die Form.

Es leuchtet nun aber ein, dass reale und formalePhilologie niemals ganz zu trennen sind. Z. B. kann beiBeurtheilung irgend welchen literarischen Produktes nieunbeachtet bleiben die Frage, wie weit der Autor densachlichen Anforderungen, die man an ein Kunstwerk derLiteratur zu stellen hat in Bezug auf Quellenbenutzung,Combination und Disposition, Genüge geleistet habe.Dazu bedarf es der Kenntniss von Realien; nicht minderin sehr vielen Fällen bei Kritik und Exegese einzelnerTextes-Stellen. Andererseits ist es klar, da die wichtigsteQuelle unserer Erkenntniss des Lebens der Alten zweifel-los die sprachlichen Denkmäler sind, dass kein Realistseiner Aufgabe ohne gründliche formale Bildung genügenkann.

Der oft geführte Streit, ob die formale Abtheilungder klassischen Philologie oder die reale wichtiger sei,ist eigentlich abgeschmackt. Jede Wissenschaft trägt ihrenWerth in sich. Auch ist eben nachgewiesen worden, dassbeide Theile sich gegenseitig gar nicht entbehren können,so wenig wie die eine Hand des Menschen die andere.

Dagegen ist nicht zu leugnen, dass für den prak-tischen Gebrauch des Studenten die formale Philologie