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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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Philologie in der weitesten Bedeutung des Wortesist, nach Böckh, Wiederaufbau des geistigen Lebens einesVolkes. Danach zerfällt die klassische Philologie, wie jedeandere, in zwei Abtheilungen, die formale und die reale.Zur formalen, gehören Grammatik, Metrik, Syntaxis,Rhetorik und Geschichte der Literatur, zur realen Alter-thümer, sowohl öffentlicher als privater, weltlicher alsreligiöser Art, so dass sie Mythologie und Archäologie insich schliesst, ferner Geschichte und Geographie, endlichalle specialen Wissenschaften.

Die formale Philologie beschäftigt sich ausschliesslichmit sprachlichen Denkmälern, und zwar hauptsächlich mitsolchen, die handschriftlich, viel weniger mit denen, dieinschriftlich vorliegen. Was die Kenntniss der specialenWissenschaften im Alterthum betrifft, z. B. der Medizin,Agricultur, Kriegskunde, so kann man billiger Weise ihregenaue Kenntniss von keinem Philologen, selbst nicht voneinem Realisten erwarten: sie gehören in das Gebiet derFachmänner. Dass in jenen noch so vieles dunkel ist,hat seinen Grund darin zu suchen, dass so selten tüchtigeKenner des Latein und Griechisch sich mit Aerzten, Land-wirthen, Militärs u. s. w. zu wissenschaftlicher Bearbeitungder bezeichneten Themen vereinigt haben.

In der Literaturgeschichte interessiren den formalenPhilologen begreiflicherweise am meisten diejenigen Autoren,die nicht nur durch ihren Inhalt, sondern auch durch dieForm der Darstellung bedeutend sind. Danach kommenfür die formale Philologie literarhistorisch am meisten inBetracht die Dichter, dann die Redner, Historiker undPhilosophen, da sich das Alterthum Werke rednerischen,historischen und philosophischen Inhalts ohne Vollendung