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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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hinderte, eine häufig sehr anregende, für die Wissenschafterspriessliche Correspondenz.

Dass Ritschi ein hohes Gefühl seines Werthes hatte,wird nach dem, was von seinen Leistungen zu sagen ist, ,leicht begreiflich erscheinen. Wenn er zuweilen dasselbemehr zur Schau trug als ihm dienlich und seinen Collegenangenehm war, so möge man zur Entschuldigung an dieWorte des Tacitus denken, dass selbst bei Weisen dieBegierde nach Ruhm und Anerkennung am spätesten über-wunden wird. Dass sich ferner im Alter ein gewisses Miss-trauen gegen Menschen bei ihm einstellte, wird man sichleicht aus manchen Erfahrungen seines wechselreichenLebens erklären können.

Hiermit schliesse ich die Darstellung von Ritschl'sLeben und Charakter. Wem sie zu kurz erscheint, dermöge bedenken, dass gerade bei den Erforschern desklassischen Alterthums wegen ihrer mit den praktischenInteressen der Gegenwart wenig gemein habenden Aufgabe welcher Nachtheil übrigens den grossen Vortheil mitsich bringt, ihnen überall und unter allen Verhältnissendie vollste Freiheit der Bewegung zu sichern die Per-sönlichkeit des einzelnen Gelehrten weit minder in Betrachtkommt als bei den Vertretern mancher anderer Wissen-schaften, z. B. der Philosophie und Theologie.

Ich gehe jetzt zu dem zweiten, ungleich wichtigerenTheile meiner Aufgabe über, zur Schilderung von Ritschl'swissenschaftlicher und pädagogischer Wirksamkeit. Alleinbevor ich dies Thema behandle, ist es nöthig, einige all-gemeine Erläuterungen voranzuschicken, die bestimmt sind,als Grundlage dessen zu dienen, was ich über Ritschi zusagen gedenke.