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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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besonders gehässig, als sich Ritschi für seine Berufungnach Bonn sehr lebhaft interessirt hatte. Sicher steht,wie auch die Feinde Ritschl's anerkannt haben, dass seinWeggang ein unersetzlicher Verlust für die UniversitätBonn war, und dass das Studium der klassischen Philologiedaselbst einen Schlag erhielt, von dem es sich nie wiedererholt hat, um so weniger, als Jahn seit 1865 zu kränkelnanfing und einige Jahre später starb.

Ritschl's Thätigkeit war während seines Aufenthaltsin Bonn längere Zeit durch eine schwere Krankheit ernst-lich bedroht gewesen; allein seine Gesundheit stärkte sichwieder und zumal in Leipzig war sie bis zum Jahre 1875im Ganzen recht günstig, so dass er an dem letzten Ortseiner Wirksamkeit mit staunenswerther Frische fortarbeitete.Nur ein eigenthümliches Fussleiden, welches selbst Gegen-stand ärztlicher Dissertationen gewesen ist, verhinderte ihnwährend der letzten Jahre an der freien Bewegung ausser-halb des Zimmers und machte ihm auch sonst zu schaffen.Die Elasticität seines Geistes behielt er fast bis zur letztenStunde. Zeugniss dafür die nach seinem Tode im Rh. M.publicirtenphilologischen Unverständlichkeiten". Erstarbam 9. November des Jahres 1876.

Ritschi war von grosser Gestalt und angenehmemAeussern. Sein Gesicht verrieth den Denker und Gelehrten.

Seine Manieren waren elegant, und wenn er wollte,war es ihm leicht Herzen zu gewinnen. Ohne dass manihn einen Epikureer hätte nennen können, war er einFreund heitern Lebensgenusses und angenehmer Gesellig-keit, zumal in jüngeren Jahren. In religiösen Angelegen-heiten stand er auf der linken Seite, seine politischenAnsichten waren sehr gemässigt, vielleicht eher conservativ