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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
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theilte, der 1855 zur Ergänzung des schon alten Welckersnach Bonn berufen wurde. Ferner machte ihn derVereinvon Alterthumsfreunden im Rheinlande" 1863 zu seinemPräsidenten. Endlich war er auch Mitglied der wissen-schaftlichen Prüfungscommission, welche nach dem inPreussen üblichen Modus die Candidaten des höherenSchulamts zu examiniren hat.

Als berühmter Gelehrter und anerkanntes Haupt einerzahlreichen, sich fortwährend mehrenden Schule, in einereben so angenehmen als ehrenvollen Stellung, konnteRitschi, der mehrfach an ihn ergangene Berufungen anandere Universitäten ablehnte, sich selbst und Andernbeneidenswerth erscheinen. Doch bewährte sich auch anihm das alte Sprichwort, dass man Niemand vor demTode glücklich preisen solle. Denn im Jahre 1865 nahmebenderselbe in Folge langwieriger, ärgerlicher Differenzenmit seinem Collegen Jahn seine Entlassung aus dempreussischen Staatsdienste, und folgte einer Berufung andie Universität Leipzig, für die er schon bei GottfriedHermann's Tod in Aussicht genommen war. Die Vor-gänge bei jenen Differenzen zweier so namhafter Gelehrtersind damals viel besprochen worden, zumal da sie nichtblos unter den Bonner Professoren, sondern sogar unterder studirenden Jugand heftige Zerwürfnisse zur Folgehatten. Mir scheint es, dass keiner der beiden Männerganz von Schuld frei zu sprechen ist; doch lässt sich nichtohne Grund vermuthen, dass, wie es zuweilen in ähnlichemFalle geschieht, Freunde und Anhänger Ritschl's und Jahn'sdie hauptsächlichste Ursache waren, dass jener Streit einenso fatalen, von Jahn selbst vielleicht kaum gewünschtenAusgang nahm. Für Jahn war die Sache noch in soweit