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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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trische Leistungen zu urtheilen. wem die Gesetze der ge-läufigsten Metra des Alterthums stets ein Buch mit siebenSiegeln geblieben sind.

Wieweit nun dem Verfasser dieser Schrift die übrigenQualitäten inne wohnen, die zu einer wissenschaftlichenBiographie gehören, möge der verehrliche Leser selbst unter-suchen. Was aber die Wahrheitsliebe und die Freiheitdas Wahre zu sagen anlangt, so darf ich meine Arbeitgetrost als Muster ihrer Gattung bezeichnen. Für jenebürgen meine früheren Werke, für diese meine Stellung,die es mir möglich macht, mit Lucilius zu sagen: Quidrefert, dictis ignoscat Mucius an non, für beidesmein Verhältniss zu Ritschi.

Ich stand lange Zeit mit Ritschi in freundschaftlichenBeziehungen und ziemlich lebhafter Correspondenz, und waswichtiger ist, ich war in vielen Punkten einverstanden mitihm über die Principien und Grundlagen der gelehrtenwie der pädagogischen Thätigkeit eines Professors der klas-sischen Philologie. Hingegen bin ich kein Schüler Ritschl's;ich verdanke ihm persönlich nichts, wissenschaftlich wenig-stens nicht mehr als jeder Philologe ausserhalb seiner Schule;meine Entwicklung ging von ganz anderen Principienaus als die seiner Schule, meine Methode differirt von derseinen mehrfach erheblich. Auch habe ich oft genug mitseinen Anhängern Streitigkeiten gehabt, und ihm selbst ge-genüber, unbeschadet aller Hochachtung für seine Leistun-