Erfolg der Ausstellung. — Ball. 49
Wir haben oben beschrieben, in welcher Weise dieseSäle wiederhergestellt worden waren. Jetzt prangten siein festlichem Schmuck; zur Decoration waren Festonsund Kränze von Haidekraut verwandt worden. BeimEintritt in den Saal wurden die Herrschaften von zwölfjungen Mädchen empfangen und „aus dem reizenden Chornahm nun die Schönste das Wort." *) Die Kaiserin dankteihr mit einem Geschenk, die Herrschaften wurden zumThrone geleitet und nun nahm der Ball seinen Anfang.
Vermuthlich ist an diesem Abend die Gemälde-gallerie-Angelegenheit noch einmal zur Sprache gekommen.Gerade hier gemahnte Ja alles an den verlornen SchatzDüsseldorfs. Dass aber der Kaiser irgendwelches Ver-sprechen zur Wiedergewinnung des nach München ge-flüchteten Bilderschatzes gegeben hätte, ist durchausnicht verbürgt. **)
Vor 10 Uhr noch verliessen die Majestäten den Ballund begaben sich durch die prachtvoll illuminirte Stadtzum Jägerhof zurück. Wie Beugnot berichtet, war derKaiser sehr befriedigt.***) Für den nächsten Morgen 8 Uhrsetzte er seine Abreise fest.
Es berührt uns seltsam, dass gerade von unsererheute gut preussischen Stadt aus Napoleon noch vorseinem Weggang Massregeln ergriff, um Preussen mehrals bisher in Schach zu halten. Trotz seines Ultimatumsvom 14. September gingen in Preussen die Dinge nichtso, wie Napoleon wünschte. Er vermuthete dort russischeSympathien und war entrüstet über Truppenzusainmen-ziehungen bei Colberg. Sein Hauptärger richtete sichgegen Saint-Marsan und dessen viel zu nachsichtigeHaltung. Er war entschlossen, ihn abzuberufen und einenMilitär nach Berlin zu schicken, f)
Napoleon fand nicht mehr die Zeit, das seine Ge-danken mehrfach beschäftigende wilde Pferdegestüt imDuisburger Walde in Augenschein zu nehmen. Man hatte
*) Aus einer anonymen Elegie auf die Anwesenheit desKaiserpaares. Wir geben sie unter den Beilagen als das beste,was an dichterischen Ergüssen in jenen Tagen geliefert worden ist.**) Kausen berichtet (S. 22), dass der Kaiser bei seiner An Wesenheitin Düsseldorf die ganze Galleriefrage sich eingehend vortragen Hessund auch den Kupferstich-Katalog von Pigage mit sichtlichemInteresse betrachtet habe. Mir ist darüber sonst nichts bekanntgeworden.
***; j) er Kaiser soll den Kölnern erklärt haben: „Geht nachDüsseldorf und lernt dort, wie man einen Kaiser empfängt".(Kausen S. 9).
f) Correspondance Nr. 18241. Befehl an Maret dd. Düsseldorf,5. November 1811.
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