Universität in Düsseldorf. 35
Wir sehen, der Wunsch des Herrn Professors Güntherin Duisburg sollte unerfüllt bleiben; denn bei der Cen-tralisation des Unterrichts in Düsseldorf musste jeneUniversität ja zu Grunde gehen; dieselbe war, wiewir aus dem Decret vom 17. December 1811 über dieOrganisation des öffentlichen Unterrichts im Grossherzog-thum Berg*) ersehen, verpflichtet, einen Fonds von8000 Francs an die neuzubildende Düsseldorfer Univer-sität abzugeben.
Gemäss dem erwähnten Decret sollte die Universitätzu Düsseldorf am 1. März 1812 ins Leben treten; fürTheologie waren zwei Professuren (eine protestantischeund eine katholische), für Jurisprudenz drei, für Medicindrei, für Mathematik und Naturwissenschaften drei undfür Litteratur **) ebenfalls drei Professuren vorgesehen— zusammen also 14. Den Rector, die Decane undProfessoren ernennt der Kaiser auf Vorschlag der Minister,ersterer ist auch nur durch den Kaiser absetzbar. DieUniversität' verleiht die Grade, nämlich: das BaccalaureatLicentiat und Doctorat. Verbunden mit der naturwissen-schaftlichen Facultät werden ein physikalisches Cabinet,chemisches Laboratorium, Observatorium, anatomischesAmphitheater und ein botanischer Garten. Von Ostern1812 ab dürfen die Studenten des Grossherzogthums keinefremden Universitäten mehr beziehen, auch sind bis da-hin die auswärts Studirenden zurückzurufen. Niemanddarf Notar, Advokat, Arzt werden, ohne den Licentiatzu haben. Die im Ausland erworbenen Grade habenvon jenem Termine ab im Grossherzogthum ihre Gel-tung verloren. Mit 114000 Frs. sollte diese Universitätdotirt werden.***)
Es kann nicht in den Rahmen unserer Festschriftgehören, den Schicksalen nachzugehen, welche diesernapoleonische Plan in Wirklichkeit gehabt hat; ein über-aus umfänglicher Organisationsplan aus der Feder desStaatsrates Jacö'bi wurde erst im Spätherbst 1812 imStaatsrate durchbe.rathen und ist wie die ganze decretirteSchöpfung in den. Windeln stecken geblieben. Nur dasdarf hier ausgesprochen werden, dass die Verwirklichung
*) Scotti No. 3288. Danach wurden nicht wie erst geplant4—5, sondern im ganzen 32 Secundärschulen errichtet.
**) Hiermit sollte auch der Unterricht im Französischen ver-bunden sein.
"**) Der bergische Schul fonds wäre mit 45000 Frs., der Staats-schatz mit 30 000 Frs., Hadamar (Gymnasium) mit 14000, Herborn(Akademie) mit 17 000 und Duisburg (Universität) mit 8000 Frs. fürdiese Dotation in Anspruch genommen worden.