Einleitendes. Entarteter Besuch Napoleons im Jahre 1810. 5
sition gegen Napoleons einseitige Handelspolitik undeine Wahrung der eigenen Interessen.*)
Düsseldorf wurde durch solche Sorgen wenigerberührt, da zu jener Zeit die Industrie hier noch ganzin den Anfängen stand. Erst durch den LunevillerFrieden (5. Februar 1801) hatte Düsseldorf aufgehört, reine Festung zu sein und befand sich in dem folgendenJahrzehnt begriffen in der Umwandlung zu einer offenenStadt. Es konnte demnach von Produktion und Handelhier vorderhand kaum die Rede sein. Andere Anliegenhatte diese Stadt vor das Ohr des Kaisers *zu bringen.Der Maire, Fr eiherr von Pfeil, hat'sie im Jahre 1810auf Veranlassung des Präfekten aufgezeichnet.
Er dachte durch die Errichtung einer Klassen-Lotterie die nöthigen Mittel zur Einrichtung und Do-tirung eines Kranken- und Irrenhauses, zur Verlängerungdes Werftes oberhalb des Schlosses bis zum Hafen undzur Erbauung eines neuen Schauspielhauses zu gewinnenund wünschte Uebertragung der Cameral-Hofmühle sowiedes alten Schlosses und Galleriegebäudes an die Stadt;das Carmelitessenkloster wollte er in ein Waisenhausverwandelt sehen und hielt es wegen der häufig imZuchthaus entstehenden Seuchen für nothwendig, diesesan einen andern Ort zu verlegen.**)
Diese Aufzeichnung hatte ihren Anlass in der imAugust 1810 als nahe bevorstehend geglaubten Reisedes Kaisers nach Düsseldorf und Holland.
Durch eine Aeusserung des Herzogs von Bassano(Maret) hatte sich dies Gerücht rasch im Grossherzog-thum verbreitet, und alle Behörden setzten sich in eifrigeThätigkeit, um den Empfang des Kaisers würdig zu ge-stalten. Man beschäftigte sich mit Herstellung derStrassen, Bildung von Ehrengarden und allen Vorberei-tungen zur Sicherung der Reise des Kaisers und zuseinem Aufenthalt. In Wesel hatte der Maire schon alleReden und Denkschriften fertig und zur grössten Zufrie-denheit des Präfekten eine Ehrengarde gebildet. InDüsseldorf baute man vor dem Bergerthor einen Triumph-bogen und that alles, um die nach der BeschiessungDüsseldorfs im Jahre 1794 arg verwüsteten und ausge-brannten Säle des alten Schlosses wiederherzustellen.Der Maire verfasste, wie gesagt, eine Denkschrift, und
*) Vgl. hierzu besonders: W. Harless, Beiträge zur Kennt-nis» der Vergangenheit des Bergischen Landes in Skizzen zur Ge-schichte von Amt und Freiheit Hückeswagen (Düsseldorf 1890) S. 46 f.
**) Wir gieben diese Denkschrift vollständig iinter den Beilagen,da sie immerhin für die Stadtgeschichte von einiger Bedeutung ist.