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den Abhub unsrer romantischen Küclie, versifiziertes Sauerkraut, „DieBurggrafen" von Victor Hugo verschlucken! Ich will kein Wort ver-lieren über den Wert dieses unverdaulichen Machwerks, das mitallen möglichen Prätensionen auftritt, namentlich mit historischen,obgleich alles Wissen "Victor Hugos über Zeit und Ort, wo seinStück spielt, lediglich aus der französischen Übersetzung von Schreibers„Handbuch für Rheinreisende" geschöpft ist. Hat der Mann, dervor einem Jahr in öffentlicher Akademie zu sagen wagte, dass esmit dem deutschen Genius ein Ende habe (la pensee allemande estrentree dans l'ombre), hat dieser grösste Adler der Dichtkunst dies-mal wirklich die Zeitgenossenschaft so allmachtig überflügelt? Wahr-lich keineswegs. Sein Werk zeugt weder von poetischer Fülle nochHarmonie, weder von Begeisterung noch Geistesfreiheit, es enthältkeinen Funken Genialität, sondern nichts als gespreizte Unnatur undbunte Deklamation. Eckige Holzfiguren, überladen mit geschmack-losem Flitterstaat, bewegt durch sichtbare Drähte, ein unheimlichesPuppenspiel, eine grasse, krampfhafte Nachäffung des Lebens; durchund durch erlogene Leidenschaft. Nichts ist mir fataler als dieseHugosche Leidenschaft, die sich so glühend geberdet, äusserlich soprächtig auflodert und doch inwendig so armselig nüchtern und frostigist. Diese kalte Passion, die uns in so flammenden Redensarten auf-getischt wird, erinnert mich immer an das gebratene Eis, das dieChinesen so künstlich zu bereiten wissen, indem sie kleine StückchenGefrorenes, eingewickelt in einen dünnen Teig, einige Minuten übersFeuer halten: ein antithetischer Leckerbissen, den man schnell ver-schlucken muss und wobei man Lippe und Zunge verbrennt, denMagen aber erkältet ....
Die besten Tragödiendichter der Franzosen sind noch immerAlexander Dumas und Victor Hugo. Diesen nenne ich zuletzt, weilseine Wirksamkeit für das Theater nicht so gross und erfolgreichist, obgleich er alle seine Zeitgenossen diesseits des Rheines anpoetischer Bedeutung überragt. Ich will ihm keineswegs das Talentfür das Dramatische absprechen, wie von vielen geschieht, die ausperfider Absicht beständig seine lyrische Grösse preisen. Er ist einDichter und kommandiert die Poesie in jeder Form. Seine Dramensind ebenso lobenswert wie seine Oden. Aber auf dem Theaterwirkt mehr das Rhetorische als das Poetische, und die Vorwürfe,die bei dem Fiasko eines Stückes dem Dichter gemacht werden,träfen mit grösserem Rechte die Masse des Publikums, welche fürnaive Naturlaute, tiefsinnige Gestaltungen und psychologische Fein-heiten minder empfänglich ist als für pompöse Phrase, plumpes Ge-wieher der Leidenschaft und Kulissenreisserei. Letzteres heisst imfranzösischen Schauspielerargot: bruler les planches.
Victor Hugo ist überhaupt hier in Frankreich noch nicht nachseinem Werte gefeiert. Deutsche Kritik und deutsche Unparteilich-