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desto grösseren Schein von Wahrhaftigkeit auch andre, z. B. meinenarmen Landsmann Grimm, verleumden zu können? Oder macht erunwahre Bekenntnisse, um wirkliche Vergehen darunter zu verbergen,da, wie männiglich bekannt ist, die Schmachgeschichten, die über unsim Umlauf sind, uns nur dann sehr schmerzhaft zu berühren pflegen,-wenn sie Wahrheit enthalten, während unser Gemüt minder verdriess-lich davon verletzt wird, wenn sie nur eitel Erfindnisse sind. Sobin ich überzeugt, Jean Jacques hat das Band nicht gestohlen, daseiner unschuldig angeklagten und fortgejagten Kammerjungfer Ehreund Dienst kostete; er hatte gewiss kein Talent zum Stehlen, er warviel zu blöde und täppisch, er, der künftige Bär der Eremitage. Erhat vielleicht eines andern Vergehens sich schuldig gemacht, aber eswar kein Diebstahl. Auch hat er seine Kinder nicht ins Findelhausgeschickt, sondern nur die Kinder von Mademoiselle Therese Levasseur.Schon vor dreissig Jahren machte mich einer der grössten deutschenPsychologen auf eine Stelle der Konfessionen aufmerksam, worausbestimmt zu deduzieren, dass Rousseau nicht der Vater jener Kindersein konnte; der eitle Brummbär wollte sich lieber für einen barba-rischen Vater ausgeben, als dass er den Verdacht ertrüge, allerVaterschaft unfähig gewesen zu sein. Aber der Mann, der in seinereignen Person auch die menschliche Natur verleumdet, er blieb ihrdoch treu in Bezug auf unsere Erbschwäche, die darin besteht, dasswir in den Augen der Welt immer anders erscheinen wollen, als wirwirklich sind. Sein Selbstporträt ist eine Lüge, bewundernswürdigausgeführt, aber eine brillante Lüge.
„Allez dire ä votre maitre que nous sommes ici par la puis-sance du peuple et qu'on ne nous en arrachera que par la forcede bajonnettes." Mit diesen Worten beginnt die französische Revo-lution; kein Bürgerlicher hätte den Mut gehabt, sie auszusprechen,die Zunge der Roturiers und Vilains war noch gebunden von demstummen Zauber des alten Gehorsams und eben nur im Adel, injener überfrechen Kaste, die niemals wahre Ehrfurcht vor den Königenfühlte, fand die neue Zeit ihr erstes Organ.
Ich kann nicht umhin, zu erwähnen, dass man mir jüngst ver-sichert, jene weltberühmten Worte Mirabeaus gehörten eigentlich demGrafen Volney, der neben ihm sitzend, sie ihm souffliert habe. Ichglaube nicht, dass diese Sage ganz grundlos erfunden sei, sie wider-spricht durchaus nicht dem Charakter Mirabeaus, der die Ideen seinerFreunde ebenso gern wie ihr Geld borgte und der deswegen in vielenMemoiren, namentlich in den Brissoteschen und in den jüngst er-schienenen Memoiren von Dumont, entsetzlich verschrieen wird. Mancheseiner Zeitgenossen haben deshalb an der Grösse seines Rednertalentsgezweifelt und ihm nur wirksame Saillies, Theatercoups der Tribünezugestanden. Es ist jetzt schwer, ihn in dieser Hinsicht zu be-urteilen. Nach dem Zeugnis der Mitlebenden, die man noch über