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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
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hätte sich minder edel gestaltet; sie wäre gemein und grausam ge-worden, statt dass sie jetzt nur tragisch und Mutig war; ja, was-noch schlimmer ist, sie wäre vielleicht ins Lächerliche und Dummeausgeartet, wenn nicht die materiellen Nöten einen idealen Ausdruckgewonnen hätten; wie es leider nicht der Fall ist in jenen Ländern,wo nicht die Schriftsteller das Volk verleitet haben, eine Erklärungder Menschenrechte zu verlangen, und wo man eine Eevolution macht,um keine Thorsperre zu bezahlen, oder um eine fürstliche Maitresselos zu werden u. s. w. Voltaire und Eousseau sind zwei Schrift-steller, die mehr als alle andere der Revolution vorgearbeitet, diespäteren Bahnen derselben bestimmt haben und noch jetzt das fran-zösische Volk geistig leiten und beherrschen. Sogar die Feindschaftdieser beiden Schriftsteller hat wunderbar nachgewirkt; vielleichtwar der Parteikampf unter den Revolutionsmännern selbst bis aufdiese Stunde nur eine Fortsetzung eben dieser Feindschaft.

Dem Voltaire geschieht (jedoch) unrecht, wenn man behauptet,.er sei nicht so begeistert gewesen wie Rousseau; er war nur etwas-klüger und gewandter. Die Unbeholfenheit flüchtet sich immer inden Stoizismus und grollt lakonisch beim Anblick fremder Geschmei-digkeit. Alfieri macht dem Voltaire den Vorwurf, er habe als Philo-soph gegen die Grossen geschrieben, während er ihnen als Kammer-herr die Fackel vortrug. Der düstere Piemonteser bemerkte nicht,dass Voltaire, indem er dienstbar den Grossen die Fackel vortrug,auch damit zugleich ihre Blosse beleuchtete. Ich will aber Voltairedurchaus nicht von dem Vorwurf der Schmeichelei freisprechen, erund die meisten französischen Gelehrten krochen wie kleine Hundezu den Füssen des Adels und leckten die goldenen Sporen undlächelten, wenn sie sich daran die Zunge zerrissen und Hessen sichmit Füssen treten. Wenn man aber die kleinen Hunde mit Füssentritt, so thut das ihnen ebenso weh, wie den grossen Hunden. Derheimliche Hass der französischen Gelehrten gegen die Grossen mussum so entsetzlicher gewesen sein, da sie ausser den gelegentlichenFusstritten auch viele wirkliche "Wohlthaten von ihnen genossen hatten..

Mit dem besten Willen der Treuherzigkeit kann kein Menschüber sich selbst die Wahrheit sagen. Auch ist dies niemanden bisjetzt gelungen, weder dem heiligen Augustin, dem frommen Bischofvon Hippo, noch dem Genfer Jean Jacques Rousseau und am aller-wenigsten diesem letztern, der sich den Mann der Wahrheit und derNatur nannte, während er doch im Grunde viel verlogener und un-natürlicher war als seine Zeitgenossen. Er ist freilich zu stolz, als-dass er sich gute Eigenschaften oder schöne Handlungen fälschlichzuschriebe, er erfindet vielmehr die abscheulichsten Dinge zu seinereigenen Verunglimpfung. Verleumdete er sich etwa selbst, um mit.