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Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
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wie das Volk selber, nur dem Tage, der Gegenwart, angewiesen, dasdämmernde Keich der Erinnerung und der Ahnung ist ihr Abschlössen:sie gedeiht im Lichte der Sonne und von dieser stammt ihre schöneKlarheit und Wärme; fremd und unwirtlich ist ihr die Nacht mitdem blassen Mondschein, den mystischen Sternen, den süssen Träumenund schauerlichen Gespenstern.

2. Über französische Metrik und Lyrik.

Ich kenne auch jetzt nichts Abgeschmackteres, als das metrischeSystem der französischen Poesie, dieserart de peindre par les images,"wie die Franzosen dieselbe definieren, welcher verkehrte Begriff viel-leicht dazu beiträgt, dass sie immer in die malerische Paraphrasegeraten.

Ihre Metrik hat gewiss Prokustes erfunden; sie ist eine wahreZwangsjacke für Gedanken, die bei ihrer Zahmheit gewiss nichteiner solchen bedürfen. Dass die Schönheit eines Gedichtes in derÜberwindung der metrischen Schwierigkeiten bestehe, ist ein lächer-licher Grundsatz, derselben närrischen Quelle entsprungen. Der fran-zösische Hexameter, dieses gereimte Rülpsen, ist mir wahrhaft einAbscheu. Die Franzosen haben diese niedrige Unnatur, die weitsündhafter als die Greuel von Sodom und Gomorrha, immer selbstgefühlt und ihre guten Schauspieler sind darauf angewiesen, die Verseso sakkadiert zu sprechen, als wären sie Prosa warum aber als-dann die überflüssige Mühe der Versifikation ?

So denk' ich jetzt und so fühlt' ich schon als Knabe und mankann sich leicht vorstellen, dass es zwischen mir und der altenbraunen Perrücke zu offenen Feindseligkeiten kommen musste, alsich ihm erklärte, wie es mir rein unmöglich sei, französische Versezu machen. Er sprach mir allen Sinn für Poesie ab und nanntemich einen Barbaren des Teutoburger "Waldes.

Ich denke noch mit Entsetzen daran, dass ich aus der Chresto-mathie des Professors die Anrede des Kaiphas an den Sanhedrin ausden Hexametern der KlopstockschenMessiade" in französischeAlexandriner übersetzen sollte! Es war ein Raffinement von Grau-samkeit, die alle Passionsqualen des Messias selbst übersteigt unddie selbst dieser nicht ruhig erduldet hätte. Gott verzeih, ich ver-wünschte die Welt und die fremden Unterdrücker, die uns ihreMetrik aufbürden wollten und ich war nahe daran, Franzosenfresserzu werden.

.... Unausstehlich sind mir, wie die Metrik, so die Verseder Franzosen, dieser parfümierte Quark kaum ertrage ich ihreganz geruchlosen besseren Dichter. Wenn ich jene sogenanntePoesie lyrique der Franzosen betrachte, erkenne ich erst ganz dieHerrlichkeit der deutschen Dichtkunst an.

Betz, Französische Litteiatur. 2