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achtete Stellung, die er sich sogar als französischer Autor erwor-ben, und auch nicht Paris mit allen seinen Freuden, den Dichtervergessen lassen, dass er als Heimatloser in der Fremde lebte.Sein Geist fühlte sich, wie er sich selbst ausdrückt, in Frankreichexiliert, in eine fremde Sprache verbannt. — Es mag also immerhinsein, dass Heine dennoch im Grunde ein deutscher Dichter war!— Er schwärmte für das gewaltig Imposante der "Weltstadt, erpries die freie „holdselige zivilisierte" Luft, die damals dort wehte rihn erfasste die Grossartigkeit ihrer Vergangenheit. „Dort an derSeine, in der glänzenden Hauptstadt des feinsten grossmütigsten Tgastfreundlichsten Volke?, des Volkes der Humanität und Gesell-schaft, unter diesen sieggekrönten und so menschlichen Kitternvom Geist, hier oder nirgend, konnten die Guten, die Sehendendie vorwärts Strebenden aller unterdrückten Völker sich die Handreichen, um die seit dem Anfange des Jahrhunderts unterbrochene-Freiheitsarbeit wieder aufzunehmen und diesmal hoffentlich mitbesserem Erfolg." Und eine ähnliche Lobeshymne, in der die po-lemische Pointe dicker aufgetragen, stimmt er in den „ EnglischenFragmenten" an: „Die Franzosen sind das auserlesene Volk derneuen Religion (nämlich der Freiheit), in ihrer Sprache sind dieersten Evangelien und Dogmen verzeichnet, Paris ist das neue Jeru-salem und der Rhein ist der Jordan, der das geweihte Land derFreiheit trennt von dem der Philister."
Aber, noch einmal, trotz aller seiner Sympathiebezeugungen fürFrankreich, den ehrlichen und denen, die mehr seinen polemischenZwecken dienten, fühlte er sich nie im Frankenlande heimisch. Erwollte Deutscher bleiben. . . . „Es wäre für mich ein entsetzlicher,wahnsinniger Gedanke, wenn ich mir sagen müsste, ich sei eindeutscher Poet und zugleich ein naturalisierter Franzose. — Ichkäme mir selber vor wie eine jener Missgeburten mit zwei Köpfen,die man in den Buden der Jahrmärkte zeigt. Es würde mich beimDichten unerträglich genieren, wenn ich dächte, der eine Kopf fingeauf einmal an, im französischen Truthahnpathos die unnatürlichstenAlexandriner zu skandieren, während der andere in den angebornenwahren Naturarten der deutschen Sprache seine Gefühle ergösse." 10 )Deutlicher, meine ich, kann man nicht sprechen. Ernster und tieferempfunden klingt folgendes an Aug. Lewald gerichtetes Geständnis:
„Sehen Sie, teurer Freund, das ist eben der geheime Fluch desExils, dass uns nie ganz wohnlich zu Mute wird in der Atmosphäre-der Fremde, dass wir mit unserer mitgebrachten, heimischen Denk-und Gefühlsweise immer isoliert stehen unter einem Volke, das ganz,anders fühlt und denkt als wir, dass wir beständig verletzt werdenvon sittlichen oder vielmehr unsittlichen Erscheinungen, womit derEinheimische sich längst ausgesöhnt, ja wofür er durch die Gewohn-heit allen Sinn verloren hat, wie für die Naturerscheinungen seines-
w ) Lutezia II, vol. VI, 309.