Druckschrift 
Die französische Litteratur im Urtheile Heinrich Heine's
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

Monte Christo" stand schluchzend am frischen Grabe Heines. Auchder grosse Balzac, der ihm seinen RomanUn prince de laBoheme" widmete, gehörte zu Heines intimeren Freunden, zu denennoch der Übersetzer E. T. A. Hoffmanns, derBaron" Loeve - Veimarszu rechnen ist. In freundschaftlichem Verkehr stand er endlich mitBSranger und mit seinerjolie et grande cousine", der GeorgeSand. Auf beide hielt er, wie wir sehen werden, grosse Stücke.In den Bekanntenkreis Heines, der als Mitarbeiter an der Revue desDeux Mondes, der Europe litteraire (bei den Direktoren dieser Zeit-schriften war er oft zu Gaste) und der Revue de Paris, mit fastallen grossen und kleinen Pariser Federberühmtheiten bekannt wurde,gehören die Kritiker Phil. Chasles, Jules Janin (aber nicht Sainte-Beuve), die Dichter Alfred de Vigny und Alfred de Musset (abernicht Victor Hugo) und der Philosoph Victor Cousin. Nursehr flüchtig kannte er MSrimSe. Chateaubriand hat er nie gesehen.Dagegen kam er oft mit dem vielseitigen, stattbekannten PariserDocteur L. Vdron, dem Verfasser der Memoires d'un Bourgeois deParis zusammen. Zu seinen näheren Bekannten sind noch zwei echteBohemegestalten zu zählen, der Trabant Hugos, Pfarus Borel, undBalzacs origineller Sekretär Lassailly. Mächtig hingezogen fühltesich Heine lange zu dem Saint-Simonistenführer Enfantin. Er warein regelmässiger Besucher der Versammlungen in der rue Taitbout,denen dieser präsidierte. In seinen Briefen nennt er ihn seinenlieben Freund". Später allerdings spottet er, und zwar verdienter-massen, über den, welchen er einmal als einen derbedeutendstenGeister der Gegenwart" bezeichnet. Nicht zu übersehen sind nochzwei längst vergessene französische Schriftsteller, die uns aber des-wegen interessieren, weil sie die einzigen Überlebenden aus HeinesFreundeskreis sind: Ed. Grenier, ein Dichter, der einst als jungerMann einiges von Heines Schriften übersetzen durfte, und der geboreneElsässer Alex. Weill, der seine Laufbahn als vielversprechenderdeutscher Bauernnovellist begann und dieselbe als französischer Erz-chauvinist beschloss. Mit beiden hat es Heine schliesslich verdorben,was er in deren Memoiren büssen musste. 9 ) Endlich sei noch desfreundschaftlichen Umganges gedacht, den Heine mit einer Reihe be-deutender Frauen pflegte, die in der französischen Litteratur undGesellschaft eine Rolle spielten. Ausser der bereits erwähnten Sand sindnoch zu nennen: Daniel Stern (Gräfin d'Agoult), die feurige undschöne Prinzessin Belgiojoso, die gescheite Salondame MadameJaubert die beiden letzteren, und natürlich auch George Sand, ge-meinsame Freundinnen Mussets und Heines und Delphine Gay,Emile de Girardins hochbegabte Gemahlin.

Allein es konnten weder diese interessanten Bekannten undFreunde noch seine unverhehlten französischen Sympathien, die ge-

°) Ich verweise auch hier auf mein oben citiertes BuchHeine inFrankreich".