— 192 —
den siebenten Platz, nicht nur wie Rechtens ist, nach Michel-Angelo, LionardoRaphael und Tizian, sondern sogar nach Perino und Polidoro mit der Begrün-dung, diese Hintansetzung sei eine Folge seiner Langsamkeit. Er verherrlicht denMaler also nicht übermäßig, wie Biondo thut (Cap. 17;. Doch verkleinert er ihn Iauch nicht hämisch, wie Dolce-Aretino, als Krähe, die sich mit fremden Federnzu zieren vermeinte. Im Sinne Michel-Angelo's bewunderte er sein großes künst-lerisches Talent und die durch Einwirkung und thätliche Nachhilfe Buonarroti'sin seinen Hauptwerken erreichte strengere Zeichnung und männliche Auffassung.Die unschöne Eifersucht, mit der des Meisters Kühle gegen Raphael — quelpovero di Rafaello — durch Sebastian bis zur Abneigung gesteigert wurde, ver-schweigt Hollanda; wie auch seine zur Zeit des Weltgerichtes zum Ausdruckkommende und von da an nicht wieder geschwundene Gereiztheit gegenSebastian's Neuerung, auch Wandmalereien mit Öl herstellen zu lassen. Aus demmehrmals nachdrücklich betonten Scherzwort über den lebenslustigen, faul-gewordenen Frate, den mit Schönheit reichst begabten Mönch zu Rom, hört man,wie so oft bei Hollanda Äußerungen von Michel Angelo. — Als Hauptwerkwerden die Malereien zu San Pietro in Montorio in der ersten Kapelle rechtsgenannt (f. //5 v.), doch ohne Kennzeichnung der Geißelung Christi und derTransfiguration. An diese Leistungen mochte gedacht sein, wo es heißt (7^5 v.) rbloß zwei Malereien Sebastian's zu Rom hätten seinen Gönner Papst Mediciveranlasst, ihm statt Giovanni da Udine, das einträgliche Ehrenamt als Bullen-siegler zuzusprechen. Der Zusatz, beide Werke hätten dem Portugiesen nichtsonderlich imponiert, birgt vielleicht eine besondere Anzüglichkeit, die ich nichtaufzulösen vermag. Über die Auferweckung des Lazarus s. Erl. 75.
") Valerio de Vicenza. Noch bedingungsloser als Clovio gegenübertheilten die Landsleute und theilen in diesem Falle auch die modernen Kunst-forscher Hollanda's Begeisterung für Valerio Belli di Vicenca (1468—1546),.sowohl was seine Intaglios in Bergkrystall und feinen Steinen, als was seineGold-Medaillen betrifft, in denen er der Antike nacheifert. Über die fürClemens VII. gefertigte, das Datum 1532 tragende herrlichste aller Cassettenfällt im Malerbuch ebensowenig ein Wort, wie über die für Paul III. und Car-dinal Farnese bestimmten Proben der von Valerio wiedererweckten Kunst des-Tiefschnittes. Über die 50 Goldmünzen nach Art der Antike s. Erl. 156.
H ) Jacopo Melechino. Hollanda's Wertung dieses Architekten ist, wiedie Bandinelli's, augenscheinlich durch persönliche Beziehungen beeinflusst. Wiean dieser Stelle, so nennt er ihn noch ein anderesmal unter den ihm persönlichbekannten Meistern, von denen er Unterweisungen empfangen hat. (Buch I.,Cap. 43, f. j8 v.) In der Künstlerliste stehen ihm nur Serlio und Hollandaselber nach; voran aber nur Bramante und Balthasar von Siena nebst demjüngeren San-Gallo. Der durch langjährige Thätigkeit im Solde Paul's III. zuAnsehen gekommene Meister — in den Augen der Zunftgenossen ein bloßerSchein-Architekt — der sein Wissen zum Theile sogar aus dem in seine Händeübergegangenen Nachlass des großen Peruzzi gezogen haben soll (f 1536), besaßauch nach "Vasari (IV, 605—607; V., 470, und VII., 106) nur geringe Kenntnisse.Antonio da San-Gallo hatte recht, wenn er unzufrieden damit war, dass manihm den ferraresischen Baumeister gleichstellte und demselben nicht allein dieAufsicht über das Belvedere einräumte, sondern ihn auch in San-Pietro und im