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Darauf entgegnete er:
-— >Das will ich Euch sagen. Nützlich und gut und einGnadengeschenk des Ewigen ist es, mit Leichtigkeit und Schnellearbeiten zu können, und das, was ein anderer in vielen Tagenerledigt, in wenigen Stunden zu vollenden. Sonst hätte Pausiasaus Sykion sich nicht so bestrebt, in einem Tage das Bild einesKindes in höchster Vollkommenheit auf seine Tafel zu bringen.Wenn nämlich einer, obwohl er rasch malt, dennoch nicht auf-hört, ebenso gut zu malen wie der, welcher langsam arbeitet, soverdient er weit höheres Lob. Wenn er hingegen, infolge derGewandtheit seiner Hände, gewisse Grenzen überschreitet, die inder Kunst innegehalten werden müssen, so sollte er lieber lang-samer | und sorgsamer bei der Sache sein; denn selbst der hoch- f. 147.begabte, hervorragende Künstler darf sich nicht von seiner Vorliebefür die Schnelligkeit dazu hinreißen lassen, in irgendetwas dasEndziel, das er stets suchen soll, die Vollkommenheit, zuvergessen oder zu vernachlässigen. 149 Es ergibt sich also, dass eskein Laster ist, ein wenig langsam oder, wo es nöthig ist, sogarsehr langsam zu sein, und viele Zeit und Mühe auf ein Werk zuverwenden, wenn es dadurch vollkommener wird. — Tadelnswertallein ist die schlechte Leistung — das Nichtkönnen.
Noch etwas will ich Euch, Messer Francisco de Hollanda,sagen — und damit vielleicht das Wesentlichste und den Kern-punkt unserer Wissenschaft, wenngleich Ihr bereits darum wisstUnd es ebenfalls für das Wichtigste haltet — Folgendes nämlich:Was man mit größtem Eifer erstreben und mit demgrößtenAufwandvon Arbeitund Studium, imSchweißeseines Angesichts zu erreichen suchen soll, ist das-jenige, dass was man mit allergrößter Mühe schafft,so aussehe, als wäre es schnell, fast ohne Anstren-gung, ja mit größter Leichtigkeit hingeworfen —der Wahrheit zum Trotze. 14 '
Das ist eine ausgezeichnete Richtschnur und eine wesentlicheEigenschaft. Wohl kommt es bisweilen vor, | dass ein Werk, auf f. 147das wir nicht allzu viel Arbeit verwandt haben, derart ausfällt, wie V-ich angab, doch ist es äußerst selten, und die wahre Regel bleibtes : viel Mühe zu verwenden und dennoch mühelosAussehendes zu schaffen.