-— »Das klingt bestechend!« — erwiderten wir — >doch kannuns diese Eure Schmeichelei nicht über den großen Verlust trösten,den wir empfinden, weil uns fehlt, was uns fehlt.«
— »Ihr denkt an die Marchesa"- — sagte Michel Angelo —»und Ihr habt so recht daran, dass, wäret Ihr nicht gerade jetztgekommen, ich mich auf den Rückweg gemacht hätte.«
Während wir so sprachen, setzten wir uns auf eine Stein-bank im Garten neben Lorbeergebüschen, auf der wir alle Platzund noch dazu einen angenehmen Platz hatten, denn wir lehntenuns gegen eine mit frischem Epheu bekleidete Mauer und konntengut Theil der Stadt überblicken, 115 die anmuthisr und doch
ein
majestätisch mit ihren Denkmälern des Alterthums vor uns lag. | f. 129.
— »Geben wir nicht alles verloren« — sagte jener Capata.nachdem er die Marchesa entschuldigt hatte ■— »besser ist es,wir nutzen dies Zusammensein, wie es nun einmal ist, indemwir die treffliche, vor einigen Tagen begonnene Unterredung überdie edle Malkunst fortsetzen; denn so hat es mir noch in aller Eile dieMarchesa aufgetragen, die ungern fehlt und mit Freuden zugegensein würde. Vernehmt es, dass sie mich dazu hergesandt hat,damit ich alles im Gedächtnis festhalte und ihr hernach berichte,worüber verhandelt wird, ohne ein Wörtchen auszulassen. Deshalbist es Eure Pflicht, Ihr Herren, mir etwas zu hören und zu lernenzu geben, während es meine Rolle ist, zu lauschen und zu schweigenbei dem, was ich nicht verstehe.«
»Eigentlich ist Meister Michael«- ■ —■ begann ich — »schon vonVornherein verpflichtet, dem Wunsche der Äfarchesa nachzu-kommen, den sie, den Sinn meiner Rede durchschauend, beiunserem letzten Gespräch zu «"kennen gab, denn sie hat fastversprochen, dass mir dargelegt werden würde, ob die so nütz-liche Malerei | in Kriegszeiten ganz unnütz ist. Ich erinnere mich, f. 130.dass die hohe Frau den vergangenen Sonntag, an dem wir nichtzusammengekommen sind, dazu bestimmt hatte.« 116
Hier lachte Michel Angelo und erwiderte:
— »So wollt Ihr also, Messer Francisco, dass die Marchesa,selbst abwesend, ebenso vielen Einfluss ausübe, wie wenn siegegenwärtig ist? Nun, da Ihr solchen Glauben in sie setzt, willich nicht, dass Ihr ihn durch meine Schuld verlieret.«
Erklärung zur voranstehenden Äußerung Hollanda's und Capata's. Michel Angelo'sRede beginnt dementsprechend: Y teneis tanta razon en esso.