Druckschrift 
Vier Gespräche über die Malerei, geführt zu Rom 1538
Entstehung
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Zweites Gespräch.

Während der ganzen Nacht überdachte ich den verflossenenTag und bereitete mich auf den, welcher kommen sollte, vor. Dochwie es oft geschieht, dass unsere Entschlüsse und Pläne sichals nichtige | und eitle erweisen und ganz anders ausfallen als f- 113.wir geglaubt, so geschah es auch mir. Denn am nächsten Morgenließ Messer Lattanzio mir sagen, wir würden nicht, unsererVereinbarung gemäß, zusammenkommen können, wegen gewisserAngelegenheiten, welche die Marchesa und Michel Angelo inAnspruch nähmen; doch habe man verabredet, wir sollten unsüber acht Tage in San Silvestro einfinden.

Jene Woche däuchte mir endlos lang. Als der Sonntag aberschließlich gekommen war, schien mir die Zeit der Vorbereitungnoch nicht ausreichend und ich hätte mich gern noch besser fürjene hochedle Gesellschaft gerüstet. Wie ich dann San Silvestroerreichte, war Bruder Ambrosio bereits mit der Auslegung derSendschreiben des heiligen Paulus fertig geworden und hatte sichverabschiedet. Die Anwesenden aber begannen schon über michund mein Zögern ungehalten zu werden.

Nachdem ich mich der Nachlässigkeit für schuldig bekannti und man mir verziehen hatte, nicht ohne dass mich die Marchesa| und ich den Michel Angelo ein wenig geneckt hätte, ward unsgewährt, das unterbrochene Gespräch über die Malerkunst fort-zusetzen. Und ich begann also:

— »Wie mir scheint, | Meister Michel Angelo, erwähntet Ihr f. 113am vergangenen Sonntag, als wir auseinander giengen, man würde v 'in Portugal (das Ihr hier Spanien nennt) die vorzüglichen MalereienItaliens würdigen, falls man sie nur sehen könnte. Deshalb erbitteich mir von Eurer Herrlichkeit die Gnade (da ich um keiner anderen

Quellenschr. IX. Bd. 4