— CXLVIII —
Rasteiro (Quinta e Palacio da Bacalhoa, Lissabon 1895)gemachten Versuch, den palastartigen Landsitz der Albuquerquesim Ribatejo als ein Stück nach Portugal verpflanzter floren-tinischer Frührenaissance für Sansovino in Anspruch zu nehmen,kann ich nicht zustimmen, obwohl das Gebäude (zwischen 1485und 1506 von der Mutter König Emanuels errichtet, 1528'—1554vom Sohne des großen Eroberers abermals umgeschaffen) wiedie Torre de Belem kleine, mit eingeschnürten Kuppeln gedeckteEckthürmchen aufweist. Man nannte es früher Villafrecha( = französisch: Ville fraiche), später erst nach dem Beinameneiner Besitzerin Quinta da Bacalhoa, meist aber quinta doAzeitäo. Ein Eingehen auf die Frage hier und ohne Abbil-dungen scheint mir nicht am Platze.
2. Desgleichen entbehren die von Milanesi auf Raczynski(Lettres 343) zurückgeführten, in Wahrheit aber vom damaligenDirector der Lissaboner Kunstakademie, Dr. Loureiro, herrühren-den Angaben über die St. Marcusstatue, soweit ich sehe, jedersicheren Unterlage. Über die Geschichte der Klosterkirche SanMarcos de Tentugal bei Coimbra von 1452 an sind wir durchausführliche Chroniken aufs genaueste unterrichtet. Es ist dasPantheon einer portugiesischen Adelsfamilie da Silva. Johann II.und Emanuel haben nichts damit zu thun. Der figurenreiche,herrliche Hochaltar ist eine, dem Stil der Arbeiten in Cintradurchaus entsprechende und durch Urkunden beglaubigte Arbeitdes aus Cintra bekannten Franzosen Nicolas Chatranez; diezehn Marmorgräber (1452-—-1692) zeigen französische undvlämische Renaissance. Eine alte Statue des hl. Marcus aufeinem Altar in der Stirnwand der Kirche (die Klosterräumesind durch Brand zerstört) war, laut Bericht der Chronisten,schon im 17. Jahrhundert nicht mehr vorhanden. Über einSchlachtrelief, das noch 1846, ob auch von den französischenScharen Massena's verstümmelt, dort aufbewahrt worden wäre,verlautet in ihren Aufzeichnungen kein Wort. Am Platz istnichts der Art. — Haupt scheint eine kaum glaubliche Verwechs-lung mit dem noch vorhandenen Altar zu vermuthen. (L, 6, 3.)Nach den oben erwähnten, ungedruckten Quellen, habe ich un-längst über das Bauwerk und seine Sculpturen ausführlich berichtet,den Altar dem Nicolas Chatranez zuweisend. — RevistadalSociedade Martins-Sarmento. Bd. XIV, 57 — 117 (1897 1