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Vier Gespräche über die Malerei, geführt zu Rom 1538
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CXXIX
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wie wir wissen auch andere Namen, als die der Meister vonBelem.

Was unserem orthodoxen Bekenner der vitruvianischen Lehrean den portugiesischen Bauwerken und den sie schmückenden Sculp-turen missfällt, ist dasselbe, was er an den Malereien tadelt: dieWillkür, mit der man an der »Pragmatik« rüttelte und indivi-duellen Launen folgte, sowie das Übermaß von zwecklosen Ein-zelnheiten. »Die Werkmeister begnügen sich mit so viel oderwenig von der Kunst, als sie brauchen, um davon zu leben. Siewissen nichts von Symmetrie und Proportion. Ihre Maße sindfalsche. — Sie halten die Säulenordnung nicht ein, sie meißelnin dieselben was ihnen in den Sinn kommt. Sie füllen ihre Friesemit Seraphinen, wie die Maler ihre Altarbilder mit Pfeilern undLaubwerk, denn die einen ahmen die anderen nach.« Und der-gleichen mehr.')

Aus dem weiter oben angeführten Satze über Hollanda'sEindrücke bei der Heimkehr müsste man schließen, der Um-schwung zum Classicismus habe sich auch auf diesem Gebieteerst 1538—1548 vollzogen. Nur bedingungsweise ist auch dasrichtig, selbst wenn man exclusiv an die Hochrenaissance denkt.Das Eindringen des neuen Stils manifestierte sich schon einigeJahrzehnte früher, zuerst in Einzelstücken. Man begann mit Flick-werk an älteren, ganz- oder halbfertigen Bauten. In die erstenDecennien des 16. Jahrhunderts fallen bereits Grabmonumente' (Sarcophage mit ruhenden oder knieenden Statuen), Begräbnis-kapellen, Eingangsthüren, Fenster, Emporen, Altäre und Kanzeln.Der Zeitraum von 1520—1540 ist dann reich an derartigen Denk-j. malern. Einige sind von hervorragender Schönheit und Reinheit,zwar reich ornamentiert, aber durchaus discret in der Verwen-I düng der Säulen, seit 1525 ohne Anklänge an das Manoe'linische.Bestimmte Daten sind 1522, 1525, 1527, 1529, 1535, 1536, 1537.Der Schritt von hier bis zu einem etwas größeren Ganzen; — Klosterhöfen, Capitelhäusern, Chorkapellen, Refectorien, Chor-gestühlen, Sacristeien — und von da bis zu vollständigen, in An-klage und Ausführung durchweg harmonischen Renaissancebauten— Gotteshäusern, Klöstern, Schulen, Palästen, Festungen — folgt■rasch. Von 1536 an häufen sich die Daten sowohl in Lissabon und

') Kritische Bemerkungen über die zeitgenössischen Architekten finden[ sich z. B. Pint. /. /, 28, 2g, 78 v., 80.

Qnellenschr. Bd. IX. '