— CXXVIII —
in den von ihm restaurierten Tafeln die Daten 1520, 1534, 1540gelesen haben. Alle späteren Kunsthistoriker, wie Taborda undVolkmar-Machado, schließen sich ihm an. Auch der polnischeGraf hat selber nicht nachprüfen können. Später hat man dannvon Dias und Campe 11 o und dazu noch von Fernäo Gomes,Francisco Vanegas, beziehungsweise auch von Reinoso, undBras d'Avellar behauptet, sie seien zu Rom bei Michel Angelo undRaphael in die Lehre gegangen, und zwar als Boursiers KönigEmanuel's (oder Johann's III.). Die Entsendung von Kunstelevenist an und für sich durchaus nicht unwahrscheinlich. Dochfehlt zunächst der Beweis. Erst gegen Ende des 17. Jahrhundertsward davon gesprochen, wie von einer historischen Tradition ineinem handschriftlichen Tractat über das Alter der Malerkunst vonFelix da Costa Meesen (f 1712).') Außerdem ist einer der Maler,Campello, als die Werke noch unberührt dastanden, lobend ge-nannt worden. 2 ) Heute sind nur restaurierte Tafeln vorhanden,die nicht mehr als die Folgerung zulassen, dass ihre maßvollmanierierten Schöpfer im 16. Jahrhundert das Malen von irgend-einem großen italienischen Meister gelernt haben — wahrschein-lich von einem der Nachahmer Michel Angelo's. —
Schwer ins Gewicht fällt jedenfalls, dass in den Schrift-stücken, welche im Laufe dreier Jahrhunderte über den Florentinerzum Vorschein gekommen sind (so viel mir bekannt ist), sich keineSpur jener Portugiesen findet. Auch in den Documenten zurKunstgeschichte nicht, welche Juromenha dem Verfasser der»Arts en Portugal« zur Verfügung stellte, noch auch in den seitherans Licht gezogenen. Ob man wohl in der Anspielung auf einenportugiesischen Diener Michel Angelo's, welche in den Dialogenvorkommt, eine Bestätigung der Legende finden darf? Hollanda'sSchweigen über sie ist natürlich nicht beweiskräftig. Er übergeht,
') Antiguidade e nobreza da pintura 1696. — Cyrillo benutzte 1823diese Handschrift. Dann blieb sie verschollen. Neuerdings soll sie in Lissabonwieder zum Vorschein gekommen sein.
2 ) Der große Schriftsteller D. Francisco Manoel de Mello erwähnt um die Mittedes 17. Jahrhunderts im »Hospital der schönen Wissenschaften« den Campello alshervorragendsten portugiesischen Vertreter der Malerkunst. — Doch nicht einmalsein Vorname ist gesichert. Die einen nennen ihn Antonio, die anderen Manoel.Die in Frage stehenden Bilder werden beliebig dem Diaz, Reinoso, Avellar oderCampello zugesprochen.